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Ein Kompendium musikalischer Sujets [Réf] - Faust ist eine der Figuren der Weltliteratur, die am meisten in musikalischen Werken vorkommt. Darüber wurden Bücher geschrieben. Faust nimmt auch einen entsprechend großen Platz ein im neuen "Kompendium der musikalischen Sujets", in dem Alexander Reischert rund 1500 historische, mythologische, literarische und religiöse Sujets sowie Figuren vorstellt, mit den dazu gehörigen 17.000 Kompositionen aus 5 Jahrhunderten. Das sind immerhin die Werke von mehr als 12.000 Komponisten, Dichtern und Malern. Die Auflistung erfolgt zum jeweiligen Thema chronologisch, so dass die Geschichte der Behandlung eines Stoffes genau verfolgt werden kann. So erfährt man, dass "Don Quixote" mindestens 130 Mal in der Musikliteratur vorkommt, und dass es Carlo Sajon gewesen sein soll, der 1680 zum ersten Mal das Sujet aufgriff, zu dem Hans Zender 1989 noch einen Beitrag lieferte. Mithin haben wir es hier mit einem Werk zu tun, in dem wir u.a. erfahren, wer alles Werke zum Thema "Dornröschen" schrieb, was es an Werken zu "Antigona" oder zu der "Französischen Revolution" gibt. Trotz seines Umfangs und der Fülle an Informationen ist Reischerts Buch aber nur ein Ausschnitt aus der Wirklichkeit und daher wenig zuverlässig. Wir haben nur einige Stichproben gemacht - mit Werken, die uns gerade zu der Zeit der Lektüre beschäftigten - und viele Mängel entdeckt. Unter Azteken z.B. findet sich kein Hinweis auf Verdis "Alzira" (obwohl dort von Voltaire die Rede ist und unter "Alzira" ein Verweis auf Verdi steht). Anton Rubinsteins Ouvertüre "Iwan der Schreckliche" wird nicht unter diesem Stichwort erwähnt, obwohl es eine Fülle anderer Quellenangaben gibt. Unter "Franz von Assisi" fehlt ein Hinweis auf Sofia Gubaidulinas "Sonnengesang". Auch Rasputin wird nicht mit Hartmanns "Wachsfigurenkabinett" in Verbindung gebracht. Unter "Ossian" wird Gades Ouvertüre "Die Nachklänge von Ossian" mit keinem Wort erwähnt. Auch Bernsteins Hommage an Plato (in der Serenade) ist weder unter "Plato" noch unter "Symposium" vermerkt. Dass Reischert die Luxemburger Beiträge zum Thema "Melusina" nicht kannte, wollen wir ihm nicht einmal übelnehmen. Und doch gehören sie in das Buch! Genau wie die "Dioskuren" von Yves Prim oder S.T. Strongs Tondichtung "König Arthur" ... Also muss geschlussfolgert werden, dass Alexander Reischerts "Kompendium der musikalischen Sujets" trotz seiner fast 1500 Seiten erst ein Bruchstück ist, ein guter und wertvoller Anfang ... Und der ist bekanntlich immer schwer. [erschienen in: pizzicato 12/2001] ___________________________________________ |
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