KuNos 203

Diese Meldungen aus dem internationalen Musikleben wurden durch die Redaktion ALUAN im Hinblick auf ihre Relevanz für Alte Musik und Historische Aufführungspraxis recherchiert, zusammengestellt und getextet (Veröffentlichung in der Print- und Onlineausgabe von "Concerto" Nr. 203 - 8+9/05).

Bayreuth Das Festival »Bayreuther Barock« wird in diesem Herbst von zwei Operninszenierungen geprägt: dem als Gemeinschaftsproduktion mit den Händel-Festspielen Halle, dem Goethe-Theater Bad Lauchstädt, den Festwochen Hannover- Herrenhausen und dem Theatre Royal Bury St Edmunds realisierten Händel-Werk »Amadigi di Gaula« (16. u. 17.9.) sowie der von der Theaterakademie München in Zusammenarbeit mit der Neuen Hofkapelle München präsentierten Oper »Alarico il Balta« (23.9.) von Agostino Steffani. Zu beiden Bühnenschöpfungen wird jeweils im Vorfeld der Aufführungen eine kostenlose Einführungsveranstaltung angeboten. Information/Kartenvorverkauf: Tel. (09 21) 6 90 01, www.bayreuther-barock.bayreuth.de

Düsseldorf/Berlin Die 12. Zivilkammer des Düsseldorfer Landgerichtes hat die szenische Aufführung der im Archiv der Sing-Akademie zu Berlin wiederentdeckten Vivaldi-Oper »Motezuma« im Rahmen des Düsseldorfer Kulturfestivals »Altstadtherbst« untersagt. In Kooperation mit der Associazione Culturale Opera Barga hatte der Dirigent Federico Maria Sardelli nach einer konzertanten Aufführung in Rotterdam mehrere szenische Aufführungen der 1733 in Venedig erstmals aufgeführten Oper vorbereitet. Als Aufführungsmaterial dient die Partitur-Einrichtung des Musikwissenschaftlers Steffen Voss, der die Oper im Archiv der Sing-Akademie identifiziert hatte. Das von den Berlinern angerufene Gericht begründet seine einstweilige Verfügung damit, dass die Sing-Akademie durch die von ihr nach der Entdeckung durch Voss vorgenommene Veröffentlichung der Partitur im Internet die ausschließlichen Verwertungsrechte für eine Dauer von insgesamt 25 Jahren beanspruchen kann. Rechtsgrundlage für die Entscheidung ist Paragraph 71 UrhG. Gegen das Urteil wurde Berufung eingelegt. Mit einer Aufführung des »Mote-zuma« als Pasticcio unter Zuhilfenahme umtextierter Einlage-arien aus anderen Opern und gesprochener statt gesungener Rezitative hat sich Sardelli mttlerweile über das Aufführungsverbot hinweggesetzt und die Strafandrohung unterlaufen. Das Publikum in Barga hat diesen Schritt dem Vernehmen nach mit großem Beifall honoriert. Möglich, dass man in Düsseldorf ähnliche Wege geht, schließlich steht eine sechsstellige Summe an Fördermitteln auf dem Spiel, die bereits in die Vorbereitung der Produktion geflossen sind. Informationen: www.sing-akademie.de, www.barganews.com

Eppelheim Das Label Harmonia Mundi hat für seine Mid-Price-Serie »1 + 1« weitere Schätze aus dem reichen Fundus aufbereitet. Zu den Wiederveröffentlichungen gehören die Bach’schen Violinsonaten mit Elisabeth Blumenstock und John Butt (HMX 2907364), Marc-Antoine Charpentiers »Le malade imaginaire« mit Les Arts Florissants unter William Christie (HMX 2901887), die »Pièces de clavecin« von François Couperin mit Christophe Rousset (HMX 2901885), Henry Purcells »Fairy Queen« in der Interpretation des Deller Consorts (HMX 290257) und Sampler-Programme wie »Lusty Galant« mit Musik aus dem Goldenen Zeitalter Englands (HMX 2907368), »Royal Delight« mit Balladen und Tänzen des 17. Jahrhunderts (HMX 2907370) bzw. Violinmusik derselben Zeit unter dem Titel »Fantastic Style« (HMX 2907362). Information: www.harmoniamundi.com

Freiberg/Sachsen 47 Kandidaten aus der ganzen Welt hatten sich beworben, 32 von ihnen treten nun im Herbst beim mit 11.000 EUR dotierten VII. Internationalen Gottfried-Silbermann-Orgelwettbe- werb gegeneinander an. Die alle zwei Jahre stattfindende Konkurrenz zu Ehren des sächsischen Orgelbaumeisters Gottfried Silbermann (1683-1753) will junge Virtuosen fördern, die sich mit der Interpretation von Orgelmusik am historischen Instrument beschäftigen. Der Wettbewerb ist traditionell in die Silbermann-Tage eingebettet, die diesmal vom 9. bis 25. September rund 30 Konzerte mit etwa 15 Organisten aus dem In- und Ausland anbieten. Neben den großen Instrumenten Silbermanns erklingen dabei auch Orgeln des vor 100 Jahren gestorbenen Friedrich Ladegast sowie des Silbermann-Schülers Zacharias Hildebrandt im Erzgebirge, in Thüringen und Brandenburg. Darüber hinaus wird ein Symposium veranstaltet, das sich mit der Rekonstruktion der Silbermann- Orgel in der Freiberger Petri-Kirche beschäftigt. Information: www.silbermann.org

Jena Im Rahmen eines Symposiums mit dem Titel »Kontinuität und Transformation der italienischen Vokalmusik zwischen Due- und Quattrocento« wurde Anfang Juli an der Universität Jena die neue Schriftenreihe »Musica mensurabilis« vorgestellt. Sie versammelt Studien zur Musik und zu Editionen ausgewählter musikalischer Repertoires aus der Zeit von ca. 1250 bis 1600 und legt dabei den Schwerpunkt auf die Analyse der Musik und die Textkritik ihrer Überlieferung. Erst seit dem 13. Jahrhundert gibt es die so genannte Musica mensurabilis, in der die Zeitdauer, also das Tempus, messbar wird: »Voraussetzung dafür, dass neben der Tonhöhe auch die Tondauer zum musikalischen Parameter wurde, war ein parallel zur Einführung der mechanischen Uhren entstandener neuer Zeitbegriff«, erklärt Oliver Huck, der Initiator und Herausgeber der am gemeinsamen Institut für Musikwissenschaft der Universität Jena und der Weimarer Hochschule für Musik angesiedelten Schriftenreihe, die im Olms-Verlag erscheint. Information: www.uni-jena.de oder www.olms.de

Weimar Einige der so genannten Adjuvantenarchive, d.h. Bestände aus Thüringer Gemeindehäusern wurden im April 2005 von Irina Lucke-Kaminiarz und Detlef Altenburg, der Archivleiterin und dem musikwissenschaftlichen Institutsleiter der Hochschule für Musik Franz Liszt in Weimar, gesichtet, um im Verborgenen schlummernde und vom Verfall bedrohte historische Notenhandschriften zu sichern. Grundlage dafür ist ein Rahmenvertrag zwischen der Evangelisch-lutherischen Kirche in Thüringen und der Hochschule aus dem Jahr 2002, der es erlaubt, wertvolle Noten aus dem Bestand kleiner Kirchengemeinden zur besseren Erhaltung, Erforschung und Wiederaufführung in die Verwahrung des Hochschul- bzw. Thüringischen Landesmusikarchivs zu geben, sie aber im Besitz der jeweiligen Kirchengemeinde zu belassen. Die Spur hatte seinerzeit Kantor Peter Harder aus Gräfenroda entdeckt, der bei Recherchen über seinen 1705 geborenen prominenten Amtsvorgänger Johann Peter Kellner auf derlei historische Notenbestände stieß. »Selbst wenn nur einzelne Stimmen einer Kantate erhalten sind«, betont Altenburg, »sind Rückschlüsse auf die Zusammensetzung des Gesangsrepertoires der damaligen Zeit möglich.« Und daraus lässt sich ein Bild des Thüringer Musiklebens im 17. und 18. Jahrhundert rekonstruieren, das ungewöhnlich reichhaltig gewesen sein muss. »Das Notenlesen und das Singen und Spielen vom Blatt war damals selbstverständlich«, merkt die Archivleiterin an. Es war der Stolz vieler Dörfer, gemäß den Forderungen Martin Luthers eine umfangreiche Kirchenmusik zum Lobpreis Gottes zu unterhalten. Selbst Notenhandschriften des italienischen Komponisten Andrea Gabrieli gelangten auf verschlungenen Wegen über die Alpen in den Besitz der Gemeinden und wurden dort von Adjuvantenchören aufgeführt, in denen musikalisch versierte Bauern und Handwerker unter der Leitung eines Kantors sangen. Zu den ersten Anlaufpunkten für die Musikwissenschaftler gehörte die Kirchgemeinde in Gräfenroda. Dort übergab der Pfarrer der Laurentiuskirche gleich mehrere Kisten; sie enthalten neben Handschriften von Johann Peter Kellner, Anton Schweitzer und Ernst Wilhelm Wolff auch eine Klavierschule, ein Notenarchiv sowie eine für die Forschung wertvolle originale Chorordnung von 1846, aus der hervorgeht, dass keineswegs jeder mitsingen durfte, der wollte. Der Anspruch der Adjuvantenchöre an ihre Mitglieder war hoch – und der Gemeindegesang von einer bis heute beispiellosen Qualität. Information: www.hfm-weimar.de

Leeuwarden/München Eine preisgünstige 10-CD-Box mit dem Gesamtwerk von Arcangelo Corelli hat das Label Brilliant Classics auf den Markt gebracht. Die Einspielung erfolgte auf Originalinstrumenten durch Musica Amphion unter der Leitung ihres Gründers, des Cembalisten Pieter-Jan Belder. Das Ensemble setzt sich aus Mitgliedern führender europäischer Barockorchester zusammen und ließ bereits im letzten Jahr mit einer Telemann- Einspielung aufhorchen. Information: www.joanrecords.com

Köln Vom 23. bis 25. September 2005 veranstaltet die Arbeitsgemeinschaft für Rheinische Musikgeschichte eine internationale Tagung zum Thema »Das Erzbistum Köln in der Musikgeschichte des 15. und 16. Jahrhunderts«, die in Verbindung mit dem Historischen Archiv des Erzbistums und dem Musikwissen- schaftlichen Institut im Kölner Maternushaus stattfinden wird. Damit soll ein früherer Forschungsschwerpunkt der Arbeits-gemeinschaft wieder aufgegriffen und unter aktuellen metho-dischen Gesichtspunkten neu beleuchtet werden. Im Zentrum stehen die kirchliche, bürgerliche und universitäre Musikpflege in Köln und anderen Zentren des Erzbistums sowie musikalische Ausprägungen der Volksfrömmigkeit und Reformation. Information: Arbeitsgemeinschaft für Rheinische Musikgeschichte, www.uni-koeln.de/phil-fak/muwi/ag-musikgeschichte

London Am 30. November 2005 wird bei Christie’s in London ein 22-seitiges Autograph von Beethovens Bearbeitungen schottischer und irischer Volkslieder zur Versteigerung gelangen. Der Schätzpreis liegt bei 350.000 bis 450.000 Pfund. Die 1815 komponierten Lieder entstanden im Auftrag des schottischen Verlegers George Thomson, der in einem uns erhaltenen Briefwechsel ausdrücklich um eine einfache musikalische Ausarbeitung bat, da er die bereits vorliegenden Beethoven’schen Arrangements als zu kompliziert für die musizierenden Laien seiner Zeit erachtete. Das Gros der insgesamt 126 zwischen 1803 und 1820 verfassten Liedbearbeitungen befindet sich heute in Bibliotheksbesitz in Berlin und New York, ein kleiner Teil auch in Händen privater Sammler, der Rest ist verschollen. Information: www.christies.com



Mannheim Seine dritte Auflage erlebt vom 9. bis 11. September 2005 das Mannheimer Musikfest. Die Idee eines bürgernahen Alte-Musik-Festivals mit moderaten Preisen unter dem diesjährigen Motto »Neues entdecken!« spiegelt sich auch in der Auswahl der zum Teil ungewöhnlichen Spielorte wider, darunter die städtische Synagoge, das Besucherzentrum der John-Deere-Werke, das Victoria-Hochhaus, das Stadtquartier am Lanzgarten und das Gasthaus am Fluss. Zu den geladenen Ensembles zählt neben La Carezza und dem Quartetto con Affetto auch das neugegründete Orchester Academia Palatina unter der Leitung von Florian Heyerick und John Holloway, das auf Originalinstrumenten ein Programm mit Werken von Telemann, Fasch und Graupner präsentieren wird. Information/Kartenvorverkauf: Tel. (06 21) 8 32 12 70, www.allegra-online.de

Weimar Im Bestand der Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek hat der Musikforscher Michael Maul während seiner Sichtungsarbeiten zur systematischen Erfassung der kirchlichen, kommunalen und staatlichen Archive Mitteldeutschlands eine bislang unbekannte Komposition von Johann Sebastian Bach gefunden. Die zwei Partiturseiten aus dem Oktober 1713 tragen Bachs Handschrift und enthalten eine Strophenarie mit Ritornell für Solo-sopran, Streicher und Basso continuo. Das Werk, dessen zwölfstrophiger Text von Johann Anton Mylius mit den Worten »Alles mit Gott und nichts ohn’ ihn« beginnt, entstand anlässlich des 52. Geburtstages von Herzog Wilhelm Ernst von Sachsen- Weimar. Christoph Wolff hält diese Entdeckung für »einen spektakulären Fund, ein Gelegenheitswerk erlesener Qualität«, das wichtige Erkenntnisse für die stilistische Entwicklung Bachs bringe, der von 1708 bis 1717 Hoforganist und von 1714 an zudem Konzertmeister in Weimar war. Darüber hinaus sei der Fund auch deshalb von kaum zu überschätzender Bedeutung, weil es Bachs einzigen Beitrag zu der in Deutschland um 1700 bedeutsamen musikalischen Gattung der Strophenarie repräsentiere. Eine Erst- und Faksimileausgabe wird bereits im Herbst 2005 beim Bärenreiter-Verlag Kassel erscheinen, die Ersteinspielung soll durch Sir John Eliot Gardiner erfolgen. Information: www.weimar-klassik.de

München Der Musikwissenschaftler Berthold Over hat in der Bayerischen Staatsbibliothek unter der Signatur Mus.ms. 4468 ein elfseitiges Händel-Manuskript entdeckt. Es handelt sich um die komplette Solokantate »Crudel tiranno Amor« HWV 97 in einer bisher unbekannten Fassung für Sopran und Tasteninstrument (statt zweier Oboen, Streichern und Generalbass). Der mittlerweile durch Michael Pacholke von der Hallischen Händel-Ausgabe verifizierte Fund ist gleich in mehrfacher Hinsicht von großer Bedeutung für die Forschung, ist er doch die einzige bekannte Quelle, in der Händel eigenhändig den Generalbass der Rezitative ausgeschrieben hat. Zudem weist das Autograph eine Reihe von Abweichungen bzw. Unterschieden zur bisher überlieferten Version dieser Solokantate auf, die vermutlich am 5. Juli 1721 im Londoner King’s Theatre erstmals erklang. Information: www.bsb-muenchen.de

Luzern Am 27. August erlebt in der Luzerner Lukaskirche mit Benjamin Schweitzers »flekkicht« eine Auftragskomposition des Freiburger Barockorchesters ihre Weltpremiere: »flekkicht« sei ein im ursprünglichen Sinn des Wortes barockes Stück, viel-gestaltig, bisweilen pathetisch, verschnörkelt, manchmal skurril, schwankend zwischen sinnlicher Kraft und Verzagtheit, heißt es dazu in der Vorankündigung. Weitere Aufführungen sind für den 3.9. (Erlangen, Markgrafentheater), 5.9. (Berlin, Philharmonie) und 16.10. (Dortmund, Konzerthaus) angekündigt. Information: www.benjamin-schweitzer.de

Magdeburg Die jüngste der von Wolf Hobohm und Brit Reipsch herausgegebenen Magdeburger Telemann-Studien (Band 8) widmet sich in einem ersten Teil biographischen und künstlerischen Berührungspunkten Bachs und Telemanns und enthält neue Überlegungen zu werkbezogenen und rezeptionsgeschichtlichen Fragen. Im zweiten Teil wurden Aufsätze zu unterschiedlichen Themen der Telemannforschung vereint, u.a. die kommentierte Autobiographie von Andreas Telemann, dem ältesten Sohn des Komponisten, Studien zu einzelnen Werkgruppen (Ouvertürensuiten, Kantatenjahrgänge), Untersuchungen zur Rezeption des »Orphée«-Librettos von Boulay sowie eine Abhandlung über die Quartflöte. Das im Olms-Verlag erschiene Buch umfasst 286 Seiten und kostet 58 EUR (ISBN 3-487-12837-3). Information: www.telemann.org

Magdeburg Neuzeitliche Erstaufführungen prägen das Festivalprogramm des »4. Magdeburgischen Concerts« vom 14. bis 16. Oktober 2005. Neben dem Potpourri op. 11 für Solo-Violine und Streichtrio von Friedrich Ernst Fesca (15.10.) und einer Liedermatinee mit der Sopranistin Magdalena Podkoscielna und Ludger Rémy am Hammerklavier, die gemeinsam Werke von Carl Philipp Emanuel Bach, Georg Philipp Telemann, August Bernhard Valentin Herbing und Johann Heinrich Rolle interpretieren (16.10.), dürfte die konzertante Aufführung des Rolle-Singspiels »Melida« im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses stehen. Dieses im empfindsamen Stil komponierte Bühnenwerk des Magdeburger Musikdirektors erklingt – damals gängiger Hausmusik- praxis entsprechend – in einer Fassung für Singstimmen und Hammerklavier mit der Schauspielerin Kristin Giertler sowie den Sängern Conny Herrmann (Melida) und Ingolf Seidel (Bernhardo) unter der künstlerischen Leitung der auch als Pianistin beteiligten Christine Tschirge (16.10.). Information/Kartenvorbestellung: Tel. (03 91) 4 00 50 00 (ab 1.9.2005)

Frankfurt a.M. Die Frankfurter Hochschule für Musik und Darstellende Kunst veranstaltet vom 18. bis 23. September 2005 erstmalig eine Internationale Sommerakademie für Alte Musik. Dazu hat das Dozententeam des neu gegründeten Instituts für Historische Interpretationspraxis (HIP) mit Ann Monoyios (Toronto), Hille Perl (Bremen) und Jesper Christensen (Basel) international renommierte Fachleute zu einer gemeinsamen Kurs- und Konzertwoche eingeladen. Eine Reihe von Meisterkursen wird ergänzt durch Konzerte und Vorträge zum Thema Musikvermittlung sowie die Gegenüberstellung von fünf während des Sommersemesters in dem Projekt »Oper im Videoclip« vorproduzierten Arien aus Händels »Acis und Galatea« mit einer inszenierten Fassung der Oper. Darüber hinaus beschäftigen sich Studierende unter Leitung von Michael Dartsch (Saarbrücken) und Felix Koch (Frankfurt) mit der Erarbeitung eines Händel- Kinderkonzerts. Die Sommerakademie versteht sich als Forum der Weiterbildung und der Begegnung für alle, die Alte Musik als eine Form der Gegenwartskunst begreifen, wobei künstlerische, wissenschaftliche und pädagogische Aspekte ineinanderwirken. Mit Red Priest ist ein internationales Ensemble zu Gast, das ganz bewusst den Rahmen des normalen Konzertbetriebs verlässt, um neue Interpretations- und Aufführungsmöglichkeiten zu erkunden. Information: Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt, Eschersheimer Landstraße 29-39, 60322 Frankfurt am Main, Frau Daniela Kabs, Tel. (0 69) 1 54 00 72 02, www.hfmdk-frankfurt.de

Ostfriesland Anfang Juli traf sich das Ensemble Hofkapelle unter der Leitung des britischen Renaissance-Experten Michael Procter in der Kirche von Rysum, wo noch ein Originalinstrument aus dem Jahr 1457 existiert. Dort begannen die Aufnahmen eines außergewöhnlichen CD-Projekts mit frühen Messen von Heinrich Isaac. Diese Werke sind bislang nicht eingespielt worden, weil sie vom Organisten eine Improvisation im Stil des Isaac-Zeitgenossen Paul Hofhaimer verlangen: In einer Reihe von Orgel-Messen schuf Isaac damals ein Gerüst, innerhalb dessen sein Freund und Kollege improvisieren konnte. Die für die CD-Einspielung vorgesehene »Missa de Beata Virgine« existiert in zwei Fassungen: als schlichte Komposition für 4 Stimmen im typischen Alternatim-Stil, bei dem die Zeilen des Messetextes abwechselnd als gregorianischer Choral und polyphon gesungen werden, und in einer Besetzung für sechs Stimmen, einem Merkmal des Repertoires am Kaiserhof Maximilians I. Für die CD, die voraussichtlich Ende des Jahres beim Label Christophorus erscheinen wird, wurden beide Versionen eingespielt: die vierstimmige mit Gregorianik sowie die sechsstimmige mit Improvisationen des australischen Organisten David Blunden, der im September 2001 in Innsbruck den Hofhaimer-Preis gewonnen hat. Information: www.hofkapelle.de



Düsseldorf Auf ihr zehnjähriges Bestehen kann die Neue Düsseldorfer Hofmusik in diesem Jahr zurückblicken – und sie macht sich selbst und dem Publikum ein Geschenk: Neben die bewährten Wandelkonzerte durch die Säle des barocken Ben- rather Schlosses tritt mit der neuen Saison eine weitere Konzertreihe des Orchesters im Düsseldorfer Robert-Schumann-Saal, »Wegstrecken« genannt. Wobei sich der Weg auf die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts, vom Sturm und Drang zum klassischen Wiener Stil erstreckt. Das erste Konzert der Reihe widmet sich am 9. September Sinfonien von Mozart, Vanhal, Ordonez und Haydn. Information: Neue Düsseldorfer Hofmusik, Haus-Endt-Str. 201, 40593 Düsseldorf, Tel. (02 11) 71 49 86, Fax 71 19 95 76, www.hofmusik.de

Köln Nach drei Jahren im Steinfoyer der Oper wechselt die heimische Kammermusikreihe von Musica Antiqua Köln die Räumlichkeiten: von September an präsentiert sie sich im Museum für Angewandte Kunst. Eine Stunde vor jedem der Konzerte wird überdies eine damit thematisch verbundene Führung angeboten. So kann man beim Debüt am 20. September Porzellan für den Dresdner Hof bewundern, bevor die Musiker um Reinhard Goebel Violinmusik aus dem Elbflorenz zum Klingen bringen. Karten und Information: MAK, Tel. (02 21) 9 23 20 30, E-Mail: karten@musica-antiqua-koeln.de

Kloster Irsee/Allgäu Die Konzerte und das Symposium des Musikfestivals »Klang & Raum« beschäftigen sich vom 1. bis 4. September 2005 mit den »Affekten«, also der gesamten Bandbreite menschlicher Empfindungen in musikalischer Imitation. Junge Ensembles wie Red Priest (1.9.) oder pazzaCaglia (2.9.) leisten dabei ebenso ihren Beitrag wie gute alte Bekannte der Szene, darunter die Violinistinnen Elizabeth Wallfisch (3.9.) und Jeanne Lamon (4.9.) sowie natürlich der künstlerische Festivalleiter Bruno Weil mit dem Tafelmusik Orchestra. Das Symposium am 2. September hat sich das Caccini-Zitat »Muovere l’affetto dell’animo ...« zum Motto gewählt und befasst sich mit den Leidenschaften in Musik, Malerei und Dichtung. Information: Klang & Raum Festivalbüro, Klosterring 4, 87660 Irsee, Tel. (0 83 41) 90 66 66, Fax 7 42 78, www.musikfestival-irsee.de

Hamburg Für eine Neuinszenierung der Oper »Il barbiere di Siviglia« von Giovanni Paisiello komponiert Manfred Trojahn eine zusätzliche Arietta für die Rolle der Giovanetta, der Dienerin des Bartolo. Vergleichbares hatte im Jahr 1790 schon Wolfgang Amadeus Mozart getan, der für eine deutschsprachige Aufführung dieses Bühnenwerkes in Wien die Arie der Rosina »Schon lacht der holde Frühling« (KV 580) verfasste. Beide Ergänzungen zu dem 1782 in St. Petersburg uraufgeführten Bühnenwerk Paisiellos erklingen am 19. Oktober 2005 erstmals in szenischer Umsetzung auf der Bühne der Hamburger Kammeroper in einer Inszenierung von Michael Leinert (Bühnenbild: Walter Perdacher) unter der musikalischen Leitung von Klaus Dieter Jung. Information: Allee Theater GmbH, Max-Brauer-Allee 76, 22765 Hamburg, Tel. (0 40) 38 29 59, Fax 3 89 29 21, www.alleetheater.de

Laaber Als Band 8 der Reihe »Meisterwerke der Musik im Faksimile« bringt der Laaber-Verlag die Bach’schen Solosonaten auf den Markt (»Sei Solo a Violino senza Basso accompagnato« BWV 1001-1006); dem von Sven Hiemke herausgegebenen Faksimile liegt das in der Berliner Staatsbibliothek zu Berlin aufbewahrte Autograph aus dem Jahr 1720 zugrunde. Information: www.laaber-verlag.de

Weimar In einem interdisziplinären Forschungsprojekt von Bauhaus-Universität und der Hochschule für Musik »Franz Liszt« haben Architekten, Bauphysiker und Musiker die Bach’sche Hofkapelle im Weimarer Residenzschloss, die so genannte Himmelsburg, räumlich und akustisch rekonstruiert. Bei einem Schlossbrand im Jahr 1774 war der Sakralraum mit der Musikerempore und der Orgel vernichtet worden. Seither weiß man nur, dass die Musik von einem hellen Dachgeschossraum (Capella) durch ein großes Schalloch hinunter in den relativ düsteren Kirchenraum der Hofkapelle hinein erklang, weswegen sie von den Zuhörern als besonders ›himmlisch‹ empfunden wurde. Auf der Grundlage der erhaltenen Bauzeichnungen erstellte der Architekt Florian Scharfe nun ein virtuelles 3 D-Modell der Kirche, in dem man sich als Besucher sogar bis zur Orgelempore, Bachs ehemaligem Arbeitsplatz, hinaufbewegen kann. Die Rekonstruktion der Empore lässt erkennen, dass sich die Sänger und Instrumentalisten bei den sonntäglichen Kantaten-Aufführungen auf dem circa 1,5 Meter schmalen Gang kreisförmig um die Schallöffnung herum aufstellen mussten. Es fehlte allerdings der Nachhall, wie computergestützte Berechnungen des Bauingenieurs Jörg Arnold ergaben. Gut war diese Akustik jedoch für ein exaktes Zusammenspiel der Musiker. Unten, auf den Zuhörerbänken im Kirchenraum und auf der mittleren Empore des Hofstaates, zeichnete sich die Akustik durch Ausgeglichenheit und eine für Kirchen typische Halligkeit aus, die aber erstaunlicherweise trotzdem die Wahrnehmung aller Feinheiten der Artikulation ermöglichte. Für die Aufführungspraxis ist das insofern von großer Bedeutung, als Bach für den baulich einmaligen Raum Kantaten und einen Großteil seiner Orgelwerke schuf. Das Computermodell der Hofkapelle ist online unter www.florianscharfe.de/schlosskapelle zu besichtigen.

Markt Falkenstein Aus dem Anfang Juni vom Mittelaltermagazin »Karfunkel« initiierten Minnesänger-Wettstreit 2005 ist Frank S. Wunderlich aus dem hessischen Lützelbach als Sieger hervorgegangen. Er trug eine Ballade des Reinmar von Brennenberg sowie »Ich bin in min herze wunt« des Minnesängers von Obernburg vor. Den Publikumspreis erhielt Marcus van Langen u.a. für seine Präsentation des berühmten »Palästinaliedes« von Walther von der Vogelweide. Information: www.minnesang.com

München Die Deutsche Phono-Akademie hat die Gewinner des zum zwölften Mal in insgesamt 19 Kategorien verliehenen »ECHO Klassik«-Preises bekanntgegeben. Die offizielle Preisverleihung findet am 16. Oktober in München statt. Orchester des Jahres im Bereich der Alten Musik wurde Nova Stravaganza unter Siegbert Rampe mit dem zweiten Teil ihrer Einspielung von Orchesterwerken Christoph Graupners (MDG 341 1252-2). Als Nachwuchskünstler des Jahres erhielt u.a. Philippe Jaroussky für seine Interpretation von Vivaldi-Kantaten die begehrte Auszeichnung (Virgin 545 7212). Den Preis für die Sinfonische Einspielung des Jahres wird Concerto Köln für die Aufnahme der Sinfonien Nr. 6 und 7 von Johann Wilhelm Wilms (Archiv 474 508) entgegennehmen. Im Bereich Chormusik gehören die von Tapestry eingespielte Produktion »Sapphire Night« mit Musik von Hildegard von Bingen und Patricia Van Ness (MDG 344 1193-2) sowie Carl Heinrich Grauns Oratorium »Der Tod Jesu« mit dem MDR-Rundfunkchor und -Sinfonieorchester unter Howard Arman (VKJK 0412) zu den Ausgezeichneten; im Bereich Oper ist es wieder einmal René Jacobs mit Mozarts »Le Nozze di Figaro« (HMC 901 818.20). Information: www.echo-deutscher-musikpreis.de

Weißenfels/Dresden/Bad Köstritz Die zahlreichen Beziehungen zwischen dem Dresdner Hofkapellmeister Heinrich Schütz und Leipzig werden bei den 8. Mitteldeutschen Heinrich-Schütz-Tagen vom 23. September bis 9. Oktober 2005 beleuchtet. Schützens jüngerer Bruder Georg etwa ließ sich als Jurist in Leipzig nieder, und auch die Tochter des Komponisten, Euphrosyne, lebte dort mit ihrem Mann, dem Juristen Christoph Pincker. Engere Kontakte pflegte Schütz zudem mit dem Thomaskantor Johann Hermann Schein sowie dessen Nachfolger Tobias Michael, und gegenseitige Widmungen sind Zeugnisse für seine nähere Bekanntschaft mit den Nikolai-Organisten Johann Rosenmüller und Werner Fabricius. Die Schütz-Tage wollen einen klingenden Eindruck der Leipziger Musik zur Schütz-Zeit vermitteln und diese u.a. mit einer Exkursion nach Leipzig sowie einem hochkarätig besetzten Symposium (7. bis 8.10. in Bad Köstritz) vertiefen. Zudem erklingen Madrigale und Motetten von Schütz und Schein mit Cantus Cölln in der Weißenfelser Schlosskirche (24.9.), das Johann Rosenmüller Ensemble illustriert an gleichem Ort musikalisch den Streit um das Leipziger Thomaskantorat (25.9.), und in Dresden präsentieren Schüler des Heinrich-Schütz-Konservatoriums ein Kaleidoskop Alter Musik (24.9.). Zum Abschluss stehen dann Kompositionen von Thomaskantoren bei Auftritten der Ensembles Sagittarius (8.10. in Bad Köstritz) und Musica Alta Ripa (9.10. in Bad Köstritz) auf dem Programm. Information: www.staendige-konferenz-mbm.de

Baden-Württemberg Der alle zwei Jahre verliehene Kulturpreis Baden-Württemberg für Kunst- und Kulturschaffende wird im Wechsel für Bildende Kunst, Darstellende Kunst, Film/Neue Medien, Literatur und Musik vergeben. Den diesjährigen, mit 20.000 EUR dotierten Hauptpreis in der Sparte Darstellende Kunst teilen sich die Theatertruppe Pan.Optikum sowie Thomas Hengelbrock mit seinem Balthasar-Neumann-Chor. Letztere hätten durch ihre Konzentration auf das Musiktheater des 17. und 18. Jahrhunderts auf eindrückliche Weise in Vergessenheit geratene Werke wiederbelebt und das bekannte Repertoire durch überraschende Neuinterpretationen lebendig gehalten, befanden die Juroren. Information: www.landesstiftung-bw.de

Cremona In der Heimatstadt Antonio Stradivaris öffnet am 7. Oktober 2005 zum 18. Mal die Internationale Fachmesse »Mondomusica« ihre Pforten. Das umfangreiche Rahmenprogramm umfasst Seminare, Workshops, Vorträge und Diskussionsrunden mit namhaften Instrumentenbauern und Violinisten, u.a. am 8.10. auch zum Thema Aufführungspraxis unter der Überschrift »The rebirth of the ancient perfoming practice in Italy (1965-2005)«. Am selben Tag wird der »XI Triennial International Stringed Instruments Contest ›A. Stradivari‹ 2006« gestartet, ein weiterer Messe- Schwerpunkt gilt der Laute, und auch die Harfe ist Gegenstand eines Symposiums. Information: www.cremonamondomusica.it



Antwerpen Vom 23. bis 25. August stellen sich im Rahmen des Flandern-Festivals wieder junge Ensembles mit historischen Blasinstrumenten und Werken aus der Zeit von 1550 bis 1850 nach zweitägiger Anleitung durch Barthold Kuijken einer internationalen Jury. Zu den in diesem Jahr für die International Young Artist’s Presentation (IYAP) Nominierten zählen Acroama und das Ensemble Sirocco aus den Niederlanden, das Rossi Piceno Baroque Ensemble aus Belgien, Autour de la flûte aus Kanada, das italienische Duo Eole sowie Le Caprice Baroque aus Frankreich.

Kyoto Mit dem Kyoto-Preis 2005, einer der höchsten internationalen Auszeichnungen für Verdienste um Wissenschaft und Kultur, wird in diesem Jahr Nikolaus Harnoncourt geehrt. Der mit 50 Millionen Yen (ca. 400.000 EUR) je Kategorie ausgestattete Preis wurde 1984 von Kazuo Inamori gestiftet, dem Gründer des Technologie-Konzerns Kyocera, und ist in die Sparten Kunst & Philosophie, Hochtechnologie sowie Grundlagenforschung unterteilt. Zu den bisherigen Kyoto-Preisträgern der musikalischen Disziplin zählen John Cage (1989), Witold Lutoslawski (1993), Iannis Xenakis (1997), Maurice Béjart (1999) und György Ligeti (2001). Harnoncourt wird wie die Vorgänger für sein Lebenswerk geehrt. Die Preisverleihung findet am 10. November im japanischen Kyoto statt. Information: www.kyotoprize.org

Leipzig Der Stiftungsrat des Bach-Archivs hat zum 1. Januar 2006 Dettloff Schwerdtfeger aus Köln in den Vorstand der Stiftung und zum Geschäftsführer des Bach-Archivs berufen. Der 1973 geborene Musikwissenschaftler und promovierte Betriebswirt besitzt seit seiner Studienzeit in Freiburg und Köln gute Kontakte zur Alte-Musik-Szene und war als Fachberater an zahlreichen Projekten u.a. für die Städtischen Bühnen Münster, das Konzerthaus Dortmund, das Theater Heilbronn und die Berliner Opern beteiligt. Information: www.bach-leipzig.de

Zürich Eine »Missa sub titulo Sancti Francisci Seraphici« aus der Feder des jüngeren Haydn-Bruders Michael entdeckte die Züricher Musikwissenschaftlerin Monika Müller-Naef vor zwei Jahren im Erzstift St. Peter in Salzburg. Dort hatte der Komponist während der 1760er Jahre u.a. als Lehrer der Sängerknaben gewirkt. Die neuzeitliche Erstaufführung erfolgte nun am 26. Juni durch die Zürcher Sängerknaben und das Zürcher Kammerorchester in der dortigen Tonhalle unter Howard Griffiths. Eine Einspielung des Werkes MH 119 wird rechtzeitig zum bevorstehenden Michael-Haydn-Gedenkjahr erhältlich sein. Information: www.zsk.ch

Eisenach Mitte Juli begann die Sanierung des Bachhauses, für die rund vier Millionen Euro veranschlagt sind. Neben dem Bau eines Erweiterungsgebäudes ist auch die Restaurierung des historischen Baubestands vorgesehen. Das über 600 Jahre alte Bürgerhaus am Eisenacher Frauenplan wurde den Quellen zufolge als mutmaßliches Geburtshaus Johann Sebastian Bachs 1906 von der Neuen Bachgesellschaft gekauft, schon im darauffolgenden Jahr wurde das weltweit erste Bachmuseum eröffnet. Zum 100-jährigen Bestehen im Jahr 2007 sollen die Arbeiten, die von Land, Bund und Europäischer Union finanziert werden, beendet sein. Schon seit dem 1. Juli bietet das Bachhaus eine thematische Sonderführung »Bach und Luther« an, die täglich buchbar ist und mit von Bach bearbeiteten Luther-Chorälen auf historischen Hausorgeln des 18. Jahrhunderts akustisch unterstützt wird. Die beiden verbindet eine Reihe lokalgeschichtlicher, theologischer und musikalischer Aspekte: Luther besuchte von 1498 bis 1501 in Eisenach die gleiche Schule, in die Johann Sebastian Bach 200 Jahre später ging. Bachs Unterrichtstag begann jeweils mit einem Hauptstück aus Luthers Katechismus. Luther predigte im April 1521 in der Eisenacher Georgenkirche, wo Bach am 23. März 1685 getauft wurde. Und Bachs theologische Bibliothek umfasste neben zwei Gesamtausgaben der Werke Luthers und verschiedenen Einzelausgaben eine dreibändige Luther-Bibel, deren Eintragungen und Unterstreichungen belegen, wie intensiv sich der Komponist mit ihr auseinander gesetzt hat. Information: Bachhaus Eisenach, Frauenplan 21, 99817 Eisenach, www.bachhaus.de

Leuven Für den 4. bis 6. Oktober ist an der Katholischen Universität Leuven eine Internationale Konferenz zum Thema »Kanons und Kanontechniken vom 14. bis 16. Jahrhundert« angekündigt. Dabei werden zwei Sammlungen von Heinrich Finck und Lodovico Zacconi im Mittelpunkt der wissenschaftlichen Diskussion stehen. Für das musikalische Begleitprogramm sorgen Gothic Voices (4.10.) und das Huelgas Ensemble (6.10.) mit Impressionen aus dem Kanonrepertoire des Mittelalters und der Renaissance. Information: www.musicologie.be/canonconference/programme.htm

Osnabrück Der Landschaftsverband Osnabrücker Land e.V. hat Herbert Vieth, den Leiter des Forum Artium in Georgsmarienhütte, mit dem Kulturförderpreis ausgezeichnet. Vor 15 Jahren gründete Vieth in der Region das Festival Tage Alter Musik (jetzt Musica Viva) und hat seither in diesem Rahmen mehr als 400 Konzerte veranstaltet und dabei rund 80.000 Besucher begrüßt. Den mit 5.000 EUR dotierten Preis erhält der Musiker, Dirigent und Chorleiter für seine Verdienste um die Pflege Alter Musik wie auch für die nachhaltige Förderung des künstlerischen Nachwuchses durch insgesamt über 70 Meisterkurse und das »Podium junger Solisten«. Information: www.lvosl.de

Stuttgart In »Pantheon«, das Patrick Bebelaar als Auftragswerk für die diesjährige Internationale Bachakademie schrieb, nimmt der Stuttgarter Jazzpianist und -komponist strukturell wie stilistisch Bezug auf Bachs h-Moll-Messe. Bebelaar stellt dabei den ökumenischen Gedanken ins Zentrum, indem er Melodien aus anderen Weltreligionen an jenen Stellen der Messe, die strukturell oder aber thematisch naheliegen, wie Quasi-Cantus-firmi einbindet. Die Uraufführung der Komposition, die sechs Solisten mit insgesamt zwölf Instrumenten erfordert, darunter historische wie Serpent, Clavichord und Alphorn, findet am 9. September in der Stuttgarter Leonhardskirche statt. Information: www.bachakademie.de

Wien »Ein unerschöpflicher Reichtum an Ideen – Komponistinnen zur Zeit Mozarts und heute« ist ein Projekt der Universität für Musik und Darstellende Kunst Wien betitelt, das vom 18. bis 20. November im Vorfeld des Mozartjahres ein noch immer vernachlässigtes Gebiet der Musikwissenschaft beleuchtet. Konzerte, Podiumsdiskussionen und ein Symposium u.a. mit den Referenten Eva Rieger, Claudia Schweitzer, Elke Schröder, Irène Minder-Jeannert, Eva Neumayr, Ute Goebl-Streicher, Hartmut Krones, Melanie Unseld und Hidemi Matsushita befassen sich mit Leben und Werk der Komponistinnen Franziska Lebrun (1756-1791), Genovieffa Ravissa (1750-1807), Marianne Auernbrugger (1759-1782), Anna Amalie von Sachsen-Weimar (1739-1807), Maria-Theresia Paradis (1759-1824) und Josepha Auernhamer (1758-1820). Die Vorträge sind für jedermann frei zugänglich, der Kartenverkauf für die Konzerte im Großen Sendesaal des ORF erfolgt an der Abendkasse. Informationen: Institut für Musiksoziologie der Universität für Musik und Darstellende Kunst Wien, Schubertring 14, A-1010 Wien, www.mdw.ac.at

Lübeck Vor 300 Jahren, im Spätherbst 1705, begab sich Johann Sebastian Bach auf seine legendäre Reise von Arnstadt nach Lübeck, um den Organisten und Komponisten Dietrich Buxtehude zu »behorchen«. Aus diesem Anlass veranstaltet die im vergangenen Jahr gegründete Int. Dieterich-Buxtehude-Gesellschaft vom 31. August bis 4. September eine »Tour de Bach«: Die als Reise organisierte Folge von Konzerten, Vorträgen und musikalischen Stadtführungen führt in die Bach-Städte Arnstadt, Lüneburg und Lübeck. Der Bachforscher Kerala J. Snyder wird eine kurze Wanderung auf einem Teilabschnitt der von Bach mutmaßlich benutzten Strecke anführen. Die Teilnahme ist sowohl an einzelnen Veranstaltungen als auch an der gesamten Reise möglich. Information: Karl-Bernhardin Kropf, mail@edition- kbk.de bzw. www.dieterich-buxtehude.org

Bern Für die 12. Jahrestagung der Europäischen Totentanz-Vereinigung, die vom 28. bis 30. April 2006 in der schweizerischen Bundeshauptstadt Bern stattfinden wird, können ab sofort Referate angemeldet werden. Gastgeber ist das Historische Museum in Bern, in dem die ältesten Kopien jenes Totentanzes präsentiert werden, den Niklaus Manuel Deutsch 1516/17 auf die Friedhofsmauer des Berner Dominikanerklosters malte. Die 1660 zerstörte Bilderfolge, die auf 80 Metern in 24 Szenen Vertreter aller Stände vom ranghöchsten Kirchenfürsten bis zu den Ungläubigen in Begleitung des Knochenmannes darstellt und Moralvorstellungen bzw. Sittenkritik jener Zeit reflektiert, ist uns durch eine bereits 1649 von Albrecht Kauw angefertigte Gouachen-Serie übermittelt. Der Tagungsschwerpunkt wird vor dem Hintergrund dieses Werkes der makabren Erotik gewidmet sein. Erwünscht sind Beiträge aus den Fächern Kultur-, Literatur-, Film- und Theaterwissenschaft, Theologie, Volkskunde, Medizin- und natürlich Kunstgeschichte; die Referate sollten eine Länge von 20 Minuten nicht überschreiten. Deren Veröffentlichung erfolgt anschließend in »L’art macabre«, dem Jahrbuch der Europäischen Totentanz-Vereinigung. Information: Europäische Totentanz-Vereinigung, c/o Dr. Uli Wunderlich, Marienstraße 25, 40212 Düsseldorf, Tel. (02 11) 8 54 90 05, Fax 8 69 37 90, www.totentanz-online.de

USA Aufgrund eines im Nachlass des 2001 verstorbenen Pianisten Chieko Hara entdeckten Teil-Autographs der Bach’schen Hochzeitskantate »Vergnügte Pleißenstadt« BWV 216, hat nun der US-amerikanische Musikwissenschaftler und Dirigent Joshua Rifkin den Versuch einer vollständigen Rekonstruktion unternommen. Bei den sieben neu aufgefundenen Seiten der bislang lediglich fragmentarisch überlieferten Kantate fehlt jegliche Instrumentalstimme, während die Partien für Sopran und Alt nunmehr im Original vorliegen. Rifkin hat für sein Experiment intensive Stilstudien betrieben und sich für die Vervollständigung des musikalischen Materials auch anderer Bach-Werke bedient.




Concerto-Verlag Johannes Jansen
KuNos 204