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»Meine Hochachtung für Ihr großartiges Werk. Es wird vielen von großem Nutzen sein ... Man kann dieses Kompendium nicht einfach so lesen wie einen Roman, es ist mehr als das, eben ein Katalog-Roman; aber was für einer: für Sucher und Finder. Und man findet immer etwas ...«

[Karl Gabriel von Karais,
ehem. Chefdramaturg am Staatstheater Kassel]

Das »Kompendium der musikalischen Sujets« dokumentiert über 17.000 stoffgebundene Kompositionen aus fünf Jahrhunderten und mehr als 12.000 Personeneinträge (Komponisten, Dichter, Choregraphen, Maler und Regisseure) zu rund 1500 historischen, literarischen, mythologischen und religiösen Sujets.

Presse-Echos
»... ein unverzichtbares Referenzwerk zur Geschichte der musikalischen Sujets ...«
»... ein guter und wertvoller Anfang ...«
»... das Buch setzt Maßstäbe ...«
»... eine gewaltige und verdienstvolle Energieleistung ...«

Sie entsinnen sich vermutlich des biblischen Berichts von der Sintflut. Aber wussten Sie, dass in der griechischen Mythologie eine vergleichbare Überlieferung um die Figuren Deukalion und Pyrrha existiert? Und dass diese eng mit dem Prometheus-Mythos verbunden ist, welcher wiederum Anregung für die literarische Figur von Frankenstein im 19. Jahrhundert wurde? Bekannt werden Ihnen dazu sicherlich einige literarische Verarbeitungen oder Umsetzungen in der Bildenden Kunst sein. Aber wussten Sie, dass sich auch unzählige Tondichter durch Jahrhunderte immer wieder solcher außermusikalischer Thematiken annahmen und zum Ausgangspunkt ihrer Kompositionen machten?

Herzlich bedanken möchten wir uns für die zahlreichen Feedbacks zu unserem Fachlexikon. Korrekturen bzw. Richtigstellungen zur Buchausgabe finden Sie hier. Auch Ergänzungen sind uns weiterhin jederzeit willkommen, denn die Datenbank wächst auch nach der Buchveröffentlichung stetig weiter. Senden Sie dazu einfach eine Mail an info@musiksujets.de.

Vorwort

Eine die abendländische Musikgeschichte seit dem 17. Jahrhundert berücksichtigende Bestandsaufnahme der sowohl vokalen als auch instrumentalen Kompositionen hinsichtlich ihres zu Grunde liegenden Sujets - sei es ein historischer, mythologischer bzw. religiöser Stoff oder eine Vorlage aus den verwandten Disziplinen der Literatur und bildenden Kunst - erweist sich bei näherer Betrachtung als ein ebenso spannendes wie unerschöpfliches Arbeitsfeld, das in der Musikwissenschaft bisher allerdings ein betrübliches Schattendasein fristete.

Das »Kompendium der musikalischen Sujets« eröffnet nun dem Forscher eine chronologische Sichtweise auf die musikalische Umsetzung einzelner Sujets mit Hinweisen auf ihren in der Regel literarischen Ausgangspunkt. Zur einzelnen Komposition finden sich neben Basisinformationen zum Komponisten, Titel und zur (Text-)Vorlage bzw. deren Verfasser Kurzeinträge zur Entstehung, Uraufführung, Drucklegung bzw. zum Verbleib des Notenmanuskripts und der Aufführungsdauer. Eine kurze Beschreibung des Sujets mit ausführlichem Verweissystem auf weitere themenverwandte Einträge in diesem Lexikon skizziert dabei das inhaltliche Umfeld.

Ungeachtet der Diskussion, wo die Grenze zwischen absoluter und programmatischer Musik anzusiedeln ist, und unberührt von der Frage, ob Musik überhaupt im Stande ist, außermusikalische Inhalte mit den ihr eigenen Mitteln künstlerisch nachzubilden, haben die Komponisten durch die Jahrhunderte mit der Betitelung ihrer Werke einen Hinweis auf jene außermusikalische Anregung gegeben, die dem jeweiligen musikalischen Schaffensprozess vorausging. Es existiert ein schier unerschöpfliches Reservoir an Sujets, das dem Tondichter zur Verfügung stand und heute noch steht.

In den 1980er Jahren gab es bereits Bemühungen, einen interdisziplinären Überblick über die Stoffgeschichte zu gewinnen. Friedrich Leipoldt machte 1985 den Anfang mit seinem »Lexikon der musischen Künste«, das »Begriffe, Namen, Themen aus Musik, Malerei und Dichtung« alphabetisch auflistet und eine subjektive Auswahl an Kunstwerken mit rudimentären Informationen anfügt. Die sachlichen, logischen und konzeptionellen Ungereimtheiten dieses Werkes tun der Pioniertat Leipoldts und seines Koautors Clemens M. Gruber dabei keinen Abbruch.

In jüngerer Zeit sind zwei Speziallexika erschienen, die im Untertitel ausdrücklich den Zusatz »mit ihrem Fortleben in Kunst, Dichtung und Musik« aufweisen: Dabei handelt es sich um das 1989 veröffentlichte »Lexikon der biblischen Personen« von Martin Bocian und das seit 1995 erhältliche »Lexikon der antiken Gestalten« von Eric M. Moormann und Wilfried Utterhove. Letzteres ist als Nachfolgewerk des legendären »Lexikons der griechischen und römischen Mythologie« von Herbert Hunger zu sehen, dessen erste Auflage bereits 1953 erschien und das ebenfalls »Hinweise auf das Fortwirken antiker Stoffe und Motive in der bildenden Kunst, Literatur und Musik des Abendlandes bis zur Gegenwart« enthält. Das aus wissenschaftlicher Sicht umfangreichste und zuverlässigste Werk stellt seit 1993 der in zwei Bänden erschienene »Oxford Guide to Classical Mythology in the Arts, 1300-1990er« von Jane Davidson Reid dar.

Nur wenige Hinweise auf außerliterarische Verarbeitungen bietet Elisabeth Frenzels »Stoffe der Weltliteratur. Ein Lexikon dichtungsgeschichtlicher Längsschnitte«, dessen erste Auflage 1962 erschien. Natürlich gibt es ungleich mehr Einzeluntersuchungen zu speziellen Sujets, darunter vor allem zum musikalischen Mythos um Orpheus, zum Faust-Stoff, oder aber Forschungen hinsichtlich der musikalischen Umsetzung von Dichtungen eines bestimmten Autors (H. von Kleist, W. Shakespeare, J. W. von Goethe, F. Schiller).

Für die Fraktion der Historiker war Erwin Heinzel 1956 mit seinem »Lexikon historischer Ereignisse und Personen in Kunst, Literatur und Musik« federführend, hinsichtlich der musikalischen Rezeptionsgeschichte allerdings nur mit vereinzelten Hinweisen.

Als Bruder im Geiste erwies sich jüngst der Bibliothekar Klaus Schneider, welcher mit seinem 2. Band des auf die Instrumentalkompositionen beschränkten »Lexikons der Programmusik« im Jahre 2000 ein fachspezifisches, großartig recherchiertes Auswahlverzeichnis der lieferbaren Musikalien über historische, literarische und mythologische Personen und Figuren veröffentlichte.

Der vorliegende Werkkatalog ist keineswegs ausschließlich für den Musikwissenschaftler von Bedeutung. Vielmehr verhilft er zu einem neuen Blick auf die kulturgeschichtliche Entwicklung im Allgemeinen. Es lässt sich beispielsweise ablesen, zu welcher Zeit sich ein bestimmter Stoff großer Beliebtheit erfreute und wann dieses Interesse wieder nachließ; im günstigsten Fall bilden sich darin auch das Selbstverständnis, die Visionen oder Ideale der jeweiligen Epoche ab. Anhand der hier zusammengetragenen Auflistung ist es zudem möglich, literarische Rezeptionsgeschichte zu betreiben, indem man fragt, warum gewisse dichterische Vorlagen zahllose Vertonungen durch die Jahrhunderte bis heute erfuhren, andere dagegen nur in einem begrenzten Zeitraum die Komponisten reizten, und - im Umkehrschluss - bestimmte literarische Stoffe bis heute kaum oder gar nicht musikalisch umgesetzt worden sind.

In anderen Bereichen stellen sich entsprechende Fragen: Welche historischen Ereignisse und Persönlichkeiten wurden zum Stoff der musikalischen Fantasie? Warum wurden bestimmte Episoden der biblischen Geschichte durch die Jahrhunderte vor anderen präferiert?

Es geht in diesem Lexikon auch darum, die enge Verflechtung zwischen den Künsten durch die Jahrhunderte offenzulegen. Die ausgeprägte Wechselwirkung zwischen Literatur, bildender Kunst und Musik in ständiger Beziehung zum aktuellen bzw. vergangenen religiösen und historischen Leben lässt sich hier erkennen. Und auch die Vielfältigkeit in den Künsten selbst wird offenbar: Die musikalische Umsetzung findet durchaus nicht nur auf der Opernbühne, sondern auch in der sinfonischen oder kammermusikalischen Komposition statt. Die literarische Vorlage kann ebenso ein Drama wie ein Gedicht, ein Roman oder ein Bericht sein, und die bildende Kunst liefert als Vorlage ebenso Gemälde wie Skulpturen oder Bauwerke.

Der Musiker wird neue Anregungen für die Diskussion um Programmmusik erhalten: Welche Ausdrucksmöglichkeiten bieten die verschiedenen musikalischen Gattungen bei der Umsetzung desselben Sujets? Wie komponiert man es ein Menschenalter später? Welchem Komponisten lagen Sujetvertonungen seiner Kollegen bei der eigenen Beschäftigung mit dem Stoff vor; hat er von ihnen profitiert oder sich bewusst dagegen abgesetzt?

Es stellt sich eine Unzahl von Fragen, deren Antworten möglicherweise neue Aspekte unseres kulturgeschichtlichen Selbstverständnisses eröffnen. Das Kompendium soll ein Ausgangspunkt sein, von dem aus neue Fragen an die Wissenschaft gestellt werden. Und vielleicht wird es möglich, aus dem Blickwinkel der Sujetforschung die Musikgeschichte über ihre Epochengrenzen hinweg als eine kontinuierliche Entwicklung bis in die heutige Zeit zu begreifen. Dadurch mag dem Musikfreund die eine oder andere moderne Komposition durch einen Seitenblick auf die Jahrhunderte alte Sujettradition etwas transparenter und reizvoller erscheinen. Und vielleicht wird der Eindruck dieser Vielfalt auch einen Einfluss auf die Tonträgerindustrie, den Rundfunk und die Konzertveranstalter haben, um den eng umrissenen Kanon der heute zu Gehör kommenden Musikliteratur in der einen oder anderen Richtung zu erweitern.

Wer sich an ein solches Projekt mit diesen Dimensionen begibt, muss entweder naiv oder größenwahnsinnig sein. Nicht wenige haben diese Buchidee mit einem mitleidigen Lächeln zur Kenntnis genommen, und man kann es ihnen kaum verdenken. Aber mit einer gehörigen Portion Idealismus und der Liebe zum Thema bin ich - frei nach Erich Kästners Motto »Es gibt nichts Gutes, außer man tut es« - vor 15 Jahren das Unmögliche angegangen. Dass es nun tatsächlich zur Umsetzung und Veröffentlichung gekommen ist, verdanke ich in allererster Linie folgenden Personen: meinem Bruder Dr. Daniel Lauer, der in jahrelanger sisyphosscher Arbeit Generationen von Datenbanken eingerichtet und betreut hat, für seinen ständigen Zuspruch und die tatkräftige Unterstützung bei konzeptionellen Problemen sowie für die Realisierung des vorliegenden Layouts; meiner Frau Annett Reischert-Bruckmann, die mir während der Entstehung dieses Lexikons mit Rat und Tat zur Seite stand, zuletzt oft allein für unseren Sohn Valentin Sorge trug, wobei sie auf manche familiäre Aktivität verzichten musste - ohne ihre unendliche Geduld wäre diese Publikation niemals realisierbar gewesen -, sowie Dr. Jutta Schmoll-Barthel, der Lektorin des Bärenreiter-Verlags, die seinerzeit von der Idee so begeistert war, dass sie das Projekt mit allem Nachdruck vertrat und bis zur endgültigen Fertigstellung einen langen Atem bewies.

Darüber hinaus gilt mein Dank einer Vielzahl von Freunden, Bekannten und Verwandten, darunter namentlich Werner Bruckmann, Wolfgang Reischert, Barbara Lauer und Christoph Bruckmann, die durch ihr Interesse und ihre aktive Unterstützung zur Vervollständigung bzw. Optimierung dieses Werkkatalogs beitrugen.

Alexander Reischert