|
Nicht nur unsere Muskeln, auch unsere Sinne verdienen zuweilen ein kleines Trainingsprogramm, um mal wieder auf Vordermann gebracht zu werden. Der Gourmet etwa muß seinen Gaumen ebenso regelmäßig prüfen und pflegen wie der Parfümeur seinen Riechorgan. Beides wird dem Musiker bei seiner Tätigkeit nur wenig nützen: Er ist auf das Gehör angewiesen, und dem sollte er mindestens genauso viel Aufmerksamkeit angedeihen lassen wie seinem Instrument (was natürlich auch die eigene Stimme sein kann).
Der aktuelle CD-ROM-Markt bietet gleich zwei herausragende Produkte, um den eigenen auditiven Leistungsstand einzuschätzen und dann mit speziellen Übungen zu optimieren. Das "Computerkolleg Musik Gehörbildung" von Schott leitet in sehr übersichtlicher Gestaltung vom Anfänger- bis zum Hochschulniveau in das Hören von Intervallen, Skalen, Rhythmen, Akkorden, Kadenzen und Melodien ein. Einzige Voraussetzung für den Anwender ist, daß er Noten lesen kann. Die Benutzerführung präsentiert sich vorbildlich, ein Handbuch ist deshalb nicht vonnöten. Dieses Programm besticht vor allem durch seine zielgerichtete Methodik; einzelne Lektionen ermöglichen schnell erste Erfolgserlebnisse. Wenn man das Programm erneut startet, beginnt der bereits bekannte Nutzer auf der Ebene, die er zuletzt verlassen hat. Der Höhepunkt jeder Gehörbildung, das Melodiediktat, erhält durch die Auswahlmöglichkeit verschiedener Stile (Volkslied, Klassik, Pop & Jazz, Zwölftonmusik, Zufallsmelodie) zusätzliche Attraktivität. Als nettes Bonbon kann man sich nach absolvierten Übungen auch ein persönliches Leistungszertifikat ausdrucken lassen. Insgesamt bietet Schott hier ein in sich abgerundetes und zeitloses Produkt für jeden Musikinteressierten an, das Spaß an dieser eigentlich trockenen Materie vermittelt.
Das Gehörbildungsprogramm "audite!" von whc präsentiert sich optisch in einem etwas hausbackenen Screendesign. Störend sind beim Erststart die ständig wegzuklickenden Bestätigungsboxen nach jeder richtigen Antwort, welche aber – wie die allermeisten Details – dann über Einstellungen/Optionen individuell konfiguriert werden können. Hier lohnt sich tatsächlich ein Blick hinter die Kulissen des Programms, am besten mittels des Handbuchs. Denn dort offenbaren sich die wirklichen Tiefen der Gehörbildung und Akustik: Intonationshören ist ein besonderes zusätzliches Special, das "audite!" neben den (o.g.) standardisierten Grundübungen zu bieten hat. Unsauber intonierte Intervalle, verstimmte Einzeltöne in Tonleitern, Akkorden oder innerhalb ein- bzw. mehrstimmiger Melodien können auf Wunsch abgefragt werden. Und das sog. "Stimmungsproblem" – d.h. die physikalische Aufteilung der Oktave in zwölf Halbtöne – ist hier nicht nur ausführlich erläutert, sondern wird natürlich auch zum Thema weiterer Hörabenteuer. Für Pädagogen ist es zudem möglich, eigene Lehrgänge mit einer im Handbuch dokumentierten speziellen Skriptsprache anzufertigen. Angesichts derart vieler Möglichkeiten (u.a. ist auch eine Schnittstelle zum Notensatzprogramm "Capella" vorhanden) verliert diese professionelle Software auch für den hauptberuflichen Musiker ihren Reiz sicher nicht so schnell – wenn überhaupt! [art] |
|