Chormusik-News

Diese Meldungen aus dem internationalen Musikleben wurden durch die Redaktion ALUAN im Hinblick auf ihre Relevanz für die Chormusik recherchiert, zusammengestellt und getextet (Veröffentlichung in der Printausgabe von "Cantate" 4/2003).

Mai 2003

2.5.: Hüterin der Musikrechte: Die GEMA, seinerzeit gegründet von Richard Strauss sowie dem Naturwissenschaftler Hans Sommer und dem Juristen Friedrich Rösch – letztere beiden übrigens ebenfalls ambitionierte Komponisten –, feiert in Berlin ihren 100. Geburtstag. Als Festtagsgabe hat sich die Gesellschaft eine Online-Datenbank gegönnt, die ab sofort unter dem Navigationspunkt "Repertoiresuche" der Homepage eine kostenlose Abfrage der momentan rund 1,6 Mio. urheberrechtlich geschützten Musikstücke zulässt. [ www.gema.de ]

4.5.: Britische Kapazität für Chorarbeit: In Paris stirbt 76-jährig mit Arthur Oldham der Gründer des berühmten Edinburgh Festival Chorus. Der Britten-Schüler hatte am Londoner "Royal College of Music" Komposition studiert, bevor er quer durch Europa große Gesangsensembles betreute, darunter die Chöre des Orchestre de Paris, des London Symphony Orchestra oder der Scottish Opera. Als Komponist hinterlässt Oldham eine beachtliche Zahl von Werken für Kinderchor, daneben aber z.B. auch eine "Missa in honorem Santi Thomae Mori" für gem. Chor a cappella (1956), "Psalms in Time of War" für Bariton-Solo, Chor und Orchester (1976) oder "Le testament de Villon" für Soli, zwei Chöre und Orchester (1997).

5.5. Aufnahme in eine elitäre Gesellschaft: In Cambridge/Mass. gibt die "American Academy of Arts and Sciences" ihre neu gewählten Ehrenmitglieder bekannt, womit herausragende Persönlichkeiten anderer Nationalitäten, die die Werte und die Arbeit der 1780 gegründeten Vereinigung stützen und ergänzen, geehrt werden. 2003 ist dies neben Kofi Annan auch Helmuth Rilling, der u.a. das Oregon-Bach-Festival ins Leben rief. [ www.amacad.org ]

6.5.: Musikfest in Thüringens Hauptstadt: Vom 10. bis 27. September finden die diesjährigen Erfurter Kirchenmusiktage statt. Anlässlich des "Meister-Eckhart-Jahres 2003" steht das Oratorium "Die zehn Sätze des Meister Eckhart" von Daniel Glaus auf dem Programm (13.9.), ausgeführt von Bachchor und -collegium Konstanz unter Claus-Gunter Biegert. Zum Abschluß (27.9.) musiziert dann der Dombergchor mit dem Philharmonischen Chor Weimar und dem Thüringischen Kammerorchester Weimar unter George Alexander Albrecht das Requiem h-Moll op. 50 von Richard Wetz – und ehrt damit einen 1935 in Erfurt verstorbenen Stadtsohn. [ www.kirchenmusik-erfurt.de ]

8.5.: Jubilierende Kinderstimmen: In Halle an der Saale beginnt das 24. Kinderchorfestival, bei dem rund 250 junge Sänger und Sängerinnen u.a. aus Lettland, Ungarn, Österreich, Russland, der Tschechischen Republik und Deutschland vier Tage lang ihr Können präsentieren. [ www.kinderchorfestival-halle.de ]

10.5.: Bach am Bildschirm: Christoph Wolff, der Direktor des Bach-Archivs Leipzig, gibt bekannt, daß die bis Jahresende komplett restaurierten Bach-Handschriften mittelfristig online abrufbar sein werden: "Eine digitale Kopie der kostbaren Notenblätter soll für jeden zugänglich sein, damit man darin blättern kann wie in einem Buch". Als interessanten Zusatzeffekt erwartet man, daß sich durch dieses Gemeinschaftsprojekt von Leipziger Bach-Archiv und Berliner Staatsbibliothek dank der elektronischen Zusammenführung sämtlicher Handschriften beider Standorte auch neue Möglichkeiten für die Forschung eröffnen. [ www.bach-leipzig.de ]

22.5.: Musikgeschichte unter dem Hammer: Im Londoner Auktionshaus Sotheby's wird das 575-seitige Arbeitsmanuskript der "Chorsinfonie" von Ludwig van Beethoven versteigert. Für 2,99 Millionen Euro geht der Zuschlag schließlich an einen anonymen Bieter, der damit u.a. auch das Beethovenhaus Bonn aussticht. Diese letzte Version der 9. Sinfonie vor Drucklegung enthält zahlreiche Streichungen, Rhythmus-, Tempo- und Instrumentationsänderungen sowie diverse Anmerkungen aus der Feder Beethovens – und darüber hinaus auch einige Passagen, die dann in die erste Ausgabe der Sinfonie nicht übernommen wurden.

23.5.: Spannende Liszt-Novität: In Cincinnati findet eine bemerkenswerte Weltpremiere statt, bei der erstmals das Fragment gebliebene Oratorium "St. Stanislaus" von Franz Liszt erklingt. Lediglich die erste und die letzte der insgesamt vier Szenen wurden vom Komponisten vollständig niedergeschrieben. Der Musikwissenschaftler Paul Munson hat in langjähriger Arbeit 35 verstreute Manuskriptteile dieses Werkes zusammengetragen und so eine Aufführung überhaupt erst möglich gemacht. Diese spätromantische Hinterlassenschaft erklingt unter der künstlerischen Leitung von James Conlon im Rahmen des "May Festival" – und das in original fragmentarischer Gestalt, wobei Manson eine Arie, die nur als Klavierauszug vorlag, im späten Liszt-Stil nachorchestrierte. [ www.mayfestival.com ]

23.5.: Verdienste um Bach: Im Rahmen des Eröffnungskonzerts des diesjährigen Leipziger Bachfests wird der niederländische Cembalist, Organist und Dirigent Gustav Leonhardt für sein Lebenswerk mit der erstmals verliehenen Bach-Medaille der Stadt ausgezeichnet. Der zuweilen auch als "Vater der historischen Aufführungspraxis" titulierte Leonhardt, der übrigens 1967 einen Ausflug in die Filmwelt unternahm und als Johann Sebastian Bach in Jean-Marie Straubs Produktion "Chronik der Anna Magdalena Bach" mitwirkte, feiert dieser Tage auch seinen 75. Geburtstag.

24.5.: Preisgekröntes Chorwerk: Den Kompositionspreis der Arbeitsgemeinschaft Europäischer Chorverbände (AGEC) erhält in Zürich der 74-jährige Schweizer Thomas Hamori für seine dreistimmige A-cappella-Komposition "Vier skurrile Lieder" nach Texten von Christian Morgenstern. Im Rahmen der Feierlichkeiten wird die Novität in der Predigerkirche durch das Oberwalliser Vokalensemble uraufgeführt.

25.5.: Wiederbelebung mitteldeutscher Barockmeister: In Sondershausen erklangen – vermutlich erstmals seit ihrer Entstehung – drei Chorwerke des Barockzeitalters: Die Kantate "Christus zur Rechten Gottes" von Gottfried Heinrich Stölzel (1690-1749), musiziert vom Ökumenischen Chor Sondershausen unter Jens Goldhardt, beendete den 48-stündigen "Tag der mitteldeutschen Barockmusik 2003", nachdem am Abend zuvor zwei Kantaten des Sondershäuser Hofkapellmeisters Johann Balthasar Freislich (1687-1764) nach annährend 300 Jahren wieder an das Ohr der Öffentlichkeit gedrungen waren. Ausführende waren hier die Ensembles Cantus und Capella Thuringia unter Leitung von Bernhard Klapprott.

27.5.: Italienischer Visionär: In Rom stirbt mit Luciano Berio Italiens prominentester Vertreter der Neuen Musik. Ein Magnificat für zwei Soprane, gem. Chor und Instrumentalensemble war es, womit er als 25-jähriger erste öffentliche Aufmerksamkeit erregte. Sein Faible für klangliche Experimente führte 1953 zur Gründung des "Studio di Fonologia Musicale" und ermöglichte ihm die verstärkte Beschäftigung mit elektronischer Musik. Zu den herausragenden Werken des zuletzt als Präsident der römischen Musikakademie Santa Cecilia wirkenden Berio zählen seine "Sinfonia" (1968) sowie die Opern "La vera storia" (1982) und "Un re in ascolto" (1984).

29.5.: Deutschland-Premiere für schwedische "High Mass": Im Rahmen des Bachfestes in Leipzig erlebt der Musikfreund hierzulande erstmals eines der herausragenden schwedischen Vokalwerke unserer Zeit: Die Gewandhaus-Ensembles unter Herbert Blomstedt präsentieren die rund 90-minütige "High Mass" von Sven-David Sandström, der für diese 1994 entstandene Komposition u.a. mit dem Christ-Johnson-Major-Award ausgezeichnet wurde.



Juni 2003

1.6.: Pilgerstätte für Schumann: Nach mehrjährigen Sanierungsarbeiten wird das Robert-Schumann-Haus in Zwickau für den Besucherverkehr wiedereröffnet. Vom Geburtshaus selbst ist lediglich die Fassade dem Original nachgebildet worden, das bereits im Jahre 1456 errichtet und nach dem Zweiten Weltkrieg wegen Baufälligkeit abgerissen worden war. [ www.robert-schumann-haus.de ]

5.6.: Generationswechsel in Berlin: Im Rahmen des 4. Abonnementkonzerts gibt Jörg-Peter Weigle seinen musikalischen Einstand als neue Künstlerischer Leiter des Philharmonischen Chors Berlin. Der Nachfolger von Uwe Gronostay war von 1995 bis 2002 Chefdirigent der Stuttgarter Philharmoniker und hat seit 2001 eine Professur für Chorleitung an der Berliner Hochschule für Musik "Hanns Eisler" inne. [ www.philharmonischer-chor.de ]

10.6.: Chormusikschöpfer von Down Under: Zum Abschluß des 8. Internationalen Kammerchor-Wettbewerbs Marktoberdorf wird der Robert-Edler-Preis für Chormusik an den australischen Komponisten Stephen Leek (*1959) verliehen. [ www.int-kammerchor-wettbewerb.de ]

15.6.: Arizonas Kapazität für Chorarbeit: In Phoenix/Arizona stirbt mit Douglas R. McEwen einer der bedeutendsten Chordirigenten der Staaten. Im Laufe der Karriere leitete der 1930 in Bowling Green/Ohio zur Welt gekommene US-Amerikaner mehr als 60 Gesangsensembles rund um den Globus. Als langjähriger Professor an der Arizona State University leitete er dort den Chor, war daneben u.a. Assistant Director der "Roger Wagner Chorale" sowie Director der "Choral Masterworks for America's Youth in Concert" in Wien.

16.6.: Doktorgrad für Dirigenten: Der Dirigent und Hochschullehrer Harold Decker verstirbt 89-jährig in Wichita/Kansas. Zunächst hatte er von 1944 bis 1957 die Vokalensembles der Wichita State University geleitet, bevor er an die University of Illinois wechselte, wo er den ersten Promotionsstudiengang für Chorleitung einrichtete. Durch seine Schule gingen in den folgenden Jahren mehr als 75 Absolventen, die heute das Who’s who der US-amerikanischen Chorszene bilden. Als Mitherausgeber wirkte Decker auch bei Publikationen wie "Choral Conducting: A Symposium" sowie "Choral Conducting: A Focus on Communication" mit.

16.6.: Hauptstadt in der Hand von Choristen: Ein außerordentlich zufriedenes Fazit zieht der Deutsche Sängerbund zum Abschluß seines 1. Chorfests: Während der vergangenen vier Tage kamen mehr als 200.000 Besucher zu diesem "Festival der Stimmen", das über 30.000 SängerInnen von allen fünf Kontinenten bestritten. Eine Neuauflage plant die mit 1,8 Millionen Mitgliedern weltweit größte Laienmusikorganisation vermutlich für 2013 an einem noch festzulegenden Ort. [ www.saengerbund.de ]

27.6.: Nürnberger Traditionsfestival: In der fränkischen Metropole startet die 52. Internationale Orgelwoche Nürnberg, innerhalb derer auch drei chormusikalische Novitäten ihre Uraufführung erleben: Die Motette "XL" von Anthony Pitts für 40-stimmigen Chor a cappella, eine Motette von Heinrich Hartel für Chor a cappella sowie die Komposition "Triptychon in Psalmis – Gesänge wider die Verzweiflung" von Werner Jacob für Soli (TBar), Chor und Orchester. [ www.ion.nuernberg.de ]




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