Erhörtes aus der Label-Welt der Klassik

Zahlreiche aktuelle CD-Rezensionen aus der ALUAN-Feder finden Sie auf dem Webportal www.musikschulwelt.de unter der dortigen Rubrik »Wort und Ton«. Lassen Sie sich inspirieren ...


Kronjuwelen für das Ohr

Der Cellist Alban Gerhardt  präsentiert auf seiner neuen CD Werke von Gabriel Fauré »Mit 17 oder 18 Jahren hätte man mit meinem Cellospiel keinen Hund hinter dem Ofen hervorlocken können«, verriet Alban Gerhardt vor einigen Jahren einem Fachmagazin. Heute würde er ? um im Bild zu bleiben ? mit seinem Instrument vermutlich gleich einen ganzen Hundezwinger zur Parade veranlassen. Ein geradezu tierisches Vergnügen bereitete bereits das Hören seiner letzten CD »Casals Encores«, der er nun ein reines Gabriel-Fauré-Album folgen lässt. Die beiden Cellosonaten op. 109 (1917) und op. 117 (1921) des Franzosen gehören zu den Meisterwerken der Celloliteratur und entstanden erst nach dessen 70. Lebensjahr. Wer daraus womöglich falsche Rückschlüsse zu ziehen verleitet ist, für den sei hier Faurés befreundeter Komponistenkollege Vincent d?Indy zitiert, der nach der Uraufführung der Sonate Nr. 2 begeistert schrieb: »… so lebendig und packend ? Hast du ein Glück, so jung zu bleiben!« Lebendig und packend Tatsächlich zeigen beide Sonaten einen Esprit, eine Intensität und Lebenslust, wie sie auch einem 20-Jährigen gut zu Gesicht ständen … das jedoch gepaart mit der satztechnischen Kompetenz eines ganzen Komponistenlebens. Ergänzt wird die CD durch fünf Kleinode aus verschiedenen Schaffensphasen des Franzosen, nämlich der Élégie op. 24, der Romance op. 69, [...]

Chorwerk über einen Bergmann aus dem Ruhrpott

Oratorium »Nikolaus Groß« von Stefan Heucke als Ersteinspielung auf CD Er war ein echtes Kind des Ruhrgebietes: In der Nähe von Essen als Spross einer typischen Arbeiterfamilie 1898 zur Welt gekommen, wurde Nikolaus Groß im Laufe seines Lebens als praktizierender Katholik zum Fürsprecher und Anwalt der Bergarbeiter und ihrer Familien. Vom »Schlepper« und »Hauer« unter Tage arbeitete sich der aktive Gewerkschaftler schließlich zum Chefredakteur der »Westdeutschen Arbeiterzeitung« hoch. Und als solcher scheute er nicht die Konfrontation mit dem nationalsozialistischen Regime … was ihn das Leben kosten sollte: Als Widerständler wurde Nikolaus Groß am 23. Januar 1945 in Berlin-Plötzensee hingerichtet. Der siebenfache Familienvater handelte aus tiefem Glauben. Er bezahlte mit seinem Leben, weil er davon überzeugt war, dass schreiendes Unrecht nicht toleriert werden darf. Für seine Haltung und Hingabe sprach ihn Papst Johannes Paul II. am 7. Oktober 2001 selig. Zum 10-jährigen Jubiläum der Seligsprechung hatte das Bistum Essen ein Oratorium in Auftrag gegeben, das im vergangenen Oktober seine Welturaufführung erlebte und nun auf CD erhältlich ist. Der Komponist Stefan Heucke hat hier ein etwa 80-minütiges Oratorium in vier Teilen für Soli, Chöre, Orchester und Orgel geschaffen, das neben dem beruflichen Werdegang, dem Kampf gegen den Nationalsozialismus sowie der Religiosität des Märtyrers auch [...]

Weihnachtswunsch-Erfüllung für den CD-Player

Württembergische Philharmonie Reutlingen beschert ein »Festliches Weihnachtskonzert« Auch wenn Weihnachtsproduktionen mit Knabenchören in diesen Tagen nicht eben als Rarität gehandelt werden: Im Falle der Württembergischen Philharmonie Reutlingen passt diese Besetzungswahl nur allzu gut ins Bild, ist das Orchester doch seit Jahren ebenso nachhaltig wie erfolgreich um die Ansprache des musikalischen Nachwuchses bemüht. Kinder-, Jugend- und Orchesterkonzerte, aber auch »CrossoverMusicNights« inkl. DJ und VJ haben die Reutlinger mittlerweile fest in ihr Konzept integriert. Nun wurde also ein Weihnachtsmusik-Sampler eingespielt mit den Aurelius Sängerknaben Calw, einem 2008 gegründeten Knabenchor, dessen Mitglieder kein Internat besuchen, sondern in den gewöhnlichen Schul- und Lebensalltag ihrer Altersgenossen eingebunden bleiben. Das Ensemble ist vielmehr eine Abteilung der städtischen Musikschule Calw! Umso bewundernswerter erscheint da die Leistung der jungen Sänger, die alle auch eine intensive Solostimmen-Schulung erhalten. Mittlerweile hat der Knabenchor u.a. schon mit den Wiener Philharmonikern unter Claudio Abbado oder dem Chicago Symphony Orchestra unter Pierre Boulez musiziert. Die Zusammenstellung des »Festlichen Weihnachtskonzerts« zeichnet sich durch eine gelungene Mischung von Vokal- und Instrumentalwerken aus, wobei neben Wohlbekanntem auch ein paar Überraschungen auf das Ohr warten: ob nun die prachtvolle Weihnachtsouvertüre über »Vom Himmel hoch« des vornehmlich als Opernkomponist bekannten Otto Nicolai oder aber der hochromantische Ausschnitt aus [...]

Zusehen wie Oper funktioniert: »Die singende Stadt«

Dokumentarfilmer Vadim Jendreykow begleitet das Enstehen einer Parsifal-Inszenierung »Die singende Stadt« ist die Staatsoper Stuttgart – eines der weltweit führenden und größten Opernhäuser mit rund 800 Räumen und 1300 Mitarbeitern. Pro Jahr werden dort zehn Opernaufführungen produziert. Das sind die wenigen direkten Informationen, die der Film dem Zuschauer mit auf den Weg gibt, ehe er selbst eintauchen kann in den weitgehend unbekannten Kosmos hinter der Opernbühne. Der Film ist mehr als ein Besuch in den labyrinthischen, unübersichtlichen und teilweise auch chaotisch anmutenden Räumlichkeiten der Ateliers und Werkstätten, des Kostümfundus, der verschiedenen Proberäume, Garderoben und Bühnentechnik. Das Besondere ist, dass hier auch unmittelbar die Entstehung einer Aufführung des »Parsifal« begleitet wurde, wie sie sich über Monate entwickelte von der ersten Besprechung zwischen den künstlerischen Leitern und dem Ensemble bis hin zur Aufführung. Der Dokumentarfilm nimmt eine rein beobachtende Haltung ein, nichts wird erklärt oder kommentiert. Viele Einzelszenen aus den unterschiedlichsten Arbeitsbereichen fügen sich zusammen zu einem spannenden Einblick in den künstlerischen Produktionsprozess. Aus Chaos wird Kunst Dass dieser Prozess nicht linear durchgeplant verläuft und auch von Konflikten und Kompromissen geprägt ist, wird von Anfang an deutlich. Der progressive spanische Opernregisseur Calixto Bieito konzipiert seinen »Parsifal« als düstere Endzeitvision, die Figur des [...]

Schneeflocken rieseln in die Ohren

»The Christmas Album« des englischen Knabenchors »Libera« Der von Chorleiter Robert Prizeman geführte englische Knabenchor »Libera« ist längst Kult – nicht erst seit er mit Stars wie Elton John oder Luciano Pavarotti aufgetreten ist. Die Chorknaben des St. Philip?s Boys Choir aus der Pfarrei der anglikanischen St. Philip?s Church in der Diözese Southwark kamen 1999 mit ihrer ersten CD auf den Markt – und die Mischung aus Pop und Klassik, aus sakral-mystischer Musik und moderner Musiksprache stieß sofort auf weltweit offene Ohren. Hinter dem Chor steckt übrigens auch ein soziales Projekt, vereinigen sich doch hier in der Musikausübung Mitglieder aller sozialer Schichten. Nun präsentiert das Ensemble aus Knaben im Alter von 7 bis 16 Jahren mit seinem »Christmas Album« eine gelungene Mischung aus hierzulande gut als auch weniger bekannten Liedern. Libera: The Christmas Album Ltg.: Robert Prizeman EMI 0 88635 2 musikschulwelt meint: Samtiger Streicherklang, unangestrengte klare Knabenstimmen, einschmeichelnde Arrangements – ein Musikerlebnis wie aus Watte. Und was wäre für Weihnachten passender? Robert Prizeman versteht zweifellos sein Handwerk, und seinem sensiblen Umgang mit den jugendlichen Stimmorganen gebührt Hochachtung. Dass man sich manchmal an Filmmusiksound erinnert fühlt, kommt nicht von ungefähr, hat der Chor doch auch schon bei Soundtracks für »Romeo [...]

Weihnachtliche Trüffeln für die Ohren

Concerto Köln serviert Wohlbekanntes wie  auch selten Gehörtes auf seinem »Christmas Album« Das Instrumentalensemble aus der rheinischen Domstadt genießt längst Weltruf in der Szene sog. historischer Aufführungspraxis – das heißt, die Musiker spielen auf Instrumenten (oder deren Nachbauten) aus der Entstehungszeit der Kompositionen. Damit begibt sich das Ensemble regelmäßig auf die Suche nach dem »originalen Klang«, wie ihn der Komponist selbst beabsichtigt haben könnte – und erschafft damit eine Klangwelt, die sich spürbar von der des modernen Instrumentariums unterscheidet. So versprüht das »Christmas Album« seinen ganz eigenen Charme auch bei wohlbekannten Werken des instrumentalen Barockrepertoires wie der Sinfonia aus dem »Weihnachtsoratorium« Johann Sebastian Bachs, ausgewählten Concerti von Antonio Vivaldi, der »Sinfonia pastorale« von Johann Stamitz oder dem »Weihnachtskonzert« Giuseppe Torellis. Darüber hinaus aber ist das 1985 gegründete Ensemble auch immer für eine Überraschung gut – in diesem Fall für zwei Neuentdeckungen: Dabei handelt es sich um die »Sonata natalis« des Böhmen Pavel Josef Vejanovsky (ca. 1633-1693) sowie Auszüge aus den »Noels pour les instruments« des als Schöpfer der Eurovisionshymne ungleich populäreren Marc-Antoine Charpentier (ca. 1643-1704). The Concerto Köln Christmas Album Concerto Köln, Anna Torge (Mandoline) Konzertmeister (und Solo-Violine): Markus Hoffmann Berlin Classics 0300276BC musikschulwelt meint: Concerto Köln ist hier eine stilsichere, [...]

Großer Auftritt eines Chorknaben

»Francesco und der Papst« – ein Film von Ciro Cappellari Der zwöfljährige Francesco ist Mitglied im Knabenchor der Sixtinischen Kapelle und besucht die Schule des Chors im Vatikan. Ganz normale Jungs auf den ersten Blick, die Fußball spielen und in Jeans und T-Shirt beim Unterricht sitzen. Für Francesco ist die Schule ein bißchen wie Hogwarts – sie ist ebenso in einem alten Gemäuer untergebracht und man lernt dort mit Gesang »zu verzaubern«. Die Schüler proben täglich vormittags und nachmittags und sie singen – dann im langen Meßgewand – regelmäßig bei den Messen im Petersdom. Obwohl Francesco den Papst dort oft sieht, weiß er, dass dieser ihn nicht wahrnimmt. Wie so viele andere, ist Francesco im Kosmos des Vatikans nur ein kleines Rädchen im Getriebe. Aber Francesco bekommt wegen seiner besonderen Stimme die Chance, ein Solo bei einer Privataudienz zu singen. Die Motette wurde dafür eigens vom musikalischen Leiter des Chors komponiert. Francesco nimmt viele zusätzliche Proben auf sich – und auch die Angst zu versagen. »Wenn Du singst, wirst Du ganz leicht« Der Regisseur Ciro Capellari hat Benedikt XVI und den Knabenchor über ein Jahr lang begleitet.  Der dokumentarische Film erzählt Francescos Geschichte eingebettet in die Betriebsamkeit des Vatikans und [...]

360-stündiges Verwöhnbad mit russischer Romantik

Brillant Classics veröffentlicht 60 CDs umfassende »Tchaikovsky Edition« Peter Tschaikowskys Musik ist auch im Jahre 2011 beileibe keine Archivware: Soeben noch zeigten sich etwa Millionen Kinobesucher ergriffen von seiner Musik in dem Hollywoodstreifen »Black Swan« mit Auszügen aus dessen berühmten Ballettmusiken. Aber auch die Solokonzerte für Violine oder Klavier, das »Capriccio Italien«, die »Ouvertüre 1812« oder die Sinfonien des Russen sind regelmäßig Publikumsmagnete auf Konzertprogrammzetteln rund um den Globus. Seine Melodien begegnen uns also auch heute, über 100 Jahre nach ihrer Entstehung, tatsächlich immer noch auf Schritt und Tritt. »Nur jene Musik kann rühren, erschüttern, reizen, die der Tiefe einer durch Inspiration bewegten Künstlerseele entströmt«, sagte der Komponist einmal – und das gilt zweifellos für dessen eigene tiefromantische musikalische Hinterlassenschaft, die quer durch alle Gattungen reicht und sich wesentlich umfänglicher zeigt, als den allermeisten bewusst bzw. bekannt sein dürfte. Nun hat sich mit Brillant Classics erstmals überhaupt eine Plattenfirma der Herausforderung gestellt, eine (nahezu) vollständige Gesamteinspielung der Werke dieses populärsten russischen Komponisten aller Zeiten auf den Markt zu bringen. Zusammengefunden haben sich in dieser 60 CDs umfassenden Edition renommierte Künstler von Weltrang: Vladimir Fedoseyev, Gennadi Rozhdestvensky, Alexander Gauk, das Orchester des Bolshoi-Theaters, die Moskauer Philharmoniker und führende internationale Klangkörper wie das [...]

Videoclip zu Liszt-Version eines Schubert-Liedes

Mehr als nur originelles Bonus-Material auf Nino Gvetadzes neuer CD »Widmung« Warum sollte nicht, was in der Popmusik seit Jahren gang und gäbe ist, auch in der Klassik zu nachhaltiger Aufmerksamkeit führen? So hat sich die junge georgische Pianistin Nino Gvetadze auf ihrer neuen Solo-CD eine wirklich originelle Zugabe ausgedacht: eine Interpretation des Schubert-Liedes »Gretchen am Spinnrade« in der Bearbeitung von Franz Liszt als rund fünfminütiger Animationsfilm aus Strichzeichnungen des Künstlers Graham Johnston (kostenlos anzusehen auch unter www.gretchenamspinnrade.com). Darüber hinaus erklingen von dem romantischen Tastenzauberer Liszt auf diesem Album noch drei weitere Werke, darunter auch die legendäre h-Moll-Sonate, mit der Gvetadze bereits bei ihren Live-Auftritten in Deutschland 2008 und 2010 für Furore gesorgt hatte. Mit ihrem letztjährigen Gewinn des Borletti-Buitoni Trist Award bekam die 1981 in Tblisi geborene Georgierin die Möglichkeit, ein Wunschprojekt zu produzieren – und »Widmung« ist das beeindruckende Resultat. Nicht zufällig dominiert dabei das Werk Franz Liszts, hat sie doch schon 2008 neben dem zweiten auch den Presse- und Publikumspreis beim Internationalen Franz Liszt Klavierwettbewerb in Utrecht gewonnen. Bereits seit ihrem sechsten Lebensjahr tritt sie als Solistin mit namhaften Orchestern auf, so u.a. auch 2010 mit der Georgischen Sinfonietta beim Young Euro Classic Festival in Berlin, und veröffentlichte bereits zwei CDs. [...]

»Alice im Wunderland« erhält Schallplattenpreis

Orchesterhörspiel von Henrik Albrecht ausgezeichnet Bei der zweiten Wertungsrunde zum »Preis der deutschen Schallplattenkritik« wurden unter 242 ausgewählten Nominierungen 41 Neuproduktionen in insgesamt 23 Sparten ausgezeichnet. Für die Kategorie »Kinder- und Jugendaufnahmen« erhielt dieses Prädikat die Orchesterhörspiel-Version des berühmten Kinderbuchklassikers »Alice im Wunderland« aus der Feder des gebürtigen Kölner Komponisten Henrik Albrecht. Und es ist wirklich ein Wunderland, in das Alice nach ihrem Sturz in den Kaninchenbau gerät: Zunächst spaziert sie unbekümmert durch diese bunte Welt, doch drohen ihr im weiteren Verlauf ihres Abenteuers üble Gefahren. Fast ertrinkt Alice in ihren eigenen Tränen und riesige Klangwellen scheinen sie im Tränenmeer zu überrollen. Die Herzkönigin will unbedingt ihre Macht durchsetzen und pocht mit Pauken und Trompeten auf ihr Recht, jedem den Kopf abschlagen zu dürfen. Auf der verrückten Teeparty kann man ein »Nichtgeburtstagsständchen« hören. Sehr seltsam! Doch vielleicht ist ja alles nur ein Traum und löst sich hinterher in Wohlklang auf?! In ihrer Begründung meinte die Jury zu dieser 57-minütigen dramaturgischen Vertonung des Lewis-Carroll-Romans: »Henrik Albrechts Musik und vorzügliche Sprecher lassen einen altbekannten Klassiker zu einem unterhaltsamen und spannenden Hörerlebnis werden.« Henrik Albrecht/ Lewis Carroll: Alice im Wunderland NDR Radiophilharmonie, Ltg.: Andreas Hempel Sprecher: Ulrich Noethen, Laura Maire, Stefan Kaminski ISBN 978-3-942175-11-1 Headroom [...]

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