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Am 28. Mai 2003 feierte György Ligeti seinen 80. Geburtstag, und quasi als Festgabe dazu erschien im Zsolnay-Verlag ein Buch mit Gesprächen, die der Musikwissenschaftler Eckhard Roelcke in den vergangenen beiden Jahren mit dem aus Siebenbürgen stammenden Komponisten geführt hat. Das Resultat ist weit mehr als ein gewissenhaft niedergelegtes Gesprächsprotokoll mit einem der großen Tonkünstler unserer Tage. Der Dialog entwickelte eine Eigendynamik, die neben der chronologisch angelegten Fragestruktur eben auch assoziative Ausbrüche Ligetis zuließ – und darin liegt die besondere Stärke dieses Buchs. Das ist in erster Linie ein Verdienst Roelckes, der glücklicherweise der Versuchung widerstanden hat, im Nachhinein solcherlei Exkurse redaktionell zu bereinigen.
Daß Ligeti ein ebenso lebhaft-eloquent wie streitbarer Zeitgenosse der heutigen Musiklandschaft ist, bestätigt diese Publikation einmal mehr, wobei durchaus nicht nur musikrelevante Themen angesprochen werden. Doch liegt natürlich im Musikalischen der besondere Sprengstoff dieses Buchs, wenn Ligeti seinen Kollegen John Cage als "sektiererischen Prediger ohne Humor" bezeichnet, Michael Nyman vorwirft, billigste Filmmusik zu schreiben oder mit Stockhausens von diesem im Nachhinein noch relativierten Äußerungen zum 11. September ins Gericht geht: "Es war Etikettenschwindel, er hat diese Formulierung nachgeschoben ... Das gemeinsame zwischen Stockhausen und den Terroristen ist die totale Verachtung des anderen Menschen". Ligeti nimmt kein Blatt vor den Mund und trägt damit zu diesem zwangsläufig authentischen Selbstbildnis bei. Solche Bücher wie das vorliegende machen manch andere Biographie obsolet und haben dabei ein Vielfaches von deren Unterhaltungswert ...
„Träumen Sie in Farbe?“ György Ligeti im Gespräch mit Eckhart Roelcke Paul Zsolnay Verlag, geb. 237 Seiten (ISBN 3-552-05228-3) € 19,90 |
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