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Tagebuchlektüre hat ihren ganz eigenen Reiz: Die spezielle Unmittelbarkeit und Offenheit der Schilderungen übermitteln in den meisten Fällen eine Authentizität höchsten Grades. Bei Fanny Hensel, der Schwester von Felix Mendelssohn Bartholdy, spiegelt sich in deren persönlichen Aufzeichnungen nicht nur ihr eigener künstlerischer Lebenslauf, sondern auch der ihres Ehemanns Wilhelm Hensel – seines Zeichens preußischer Hofmaler – und natürlich der ihres drei Jahre jüngeren Bruders wider. Geradezu faszinierende Einblicke gewinnt man in den Entstehungsprozess von Meisterwerken wie z.B. dem Oratorium "Paulus": "Ich sprach mit Felix viel über die letzte Hälfte des zweiten Teils, welche mir einen frischen lebhaften Chor zu bedürfen schien ... Ich glaubte, daß der von ihm verworfene Heidenchor hinreichend sei, den Mangel zu ersetzen, er wollte nichts davon wissen, und wurde endlich, da ich gar nicht davon aufhören wollte, ernstlich böse, ich glaube aber noch heut recht zu haben ..." Darüber hinaus nehmen die beiden Italienreisen Fanny Hensels einen großen Teil ihrer gut 270 Seiten umfassenden Notizen ein und illustrieren einen besonders produktiven Lebensabschnitt der Komponistin. Editorisch lässt diese Neuerscheinung keinerlei Wünsche offen: Ein ausführlicher Kommentarteil mit angehangenen Literatur-, Namens- und Werkverzeichnissen macht diese Tagebucheinträge gleichermaßen für die private wie die wissenschaftliche Lektüre schmackhaft und praktikabel. [art]
Fanny Hensel: Tagebücher Breitkopf & Härtel, geb. 378 Seiten (ISBN 3-7651-0369-9) € 24,- |
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