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Wenn sich der Herausgeber der neuen MGG-Edition daran begibt, eine einzelne Komponisten-Monographie zu publizieren, weckt das ebenso Hoffnungen wie Befürchtungen: Vorfreude auf ein am aktuellen wissenschaftlichen Standard orientiertes und vor einem breiten musikgeschichtlichen Panorama aufbereitetes Künstler- und Kunstbild; Bedenken jedoch dahingehend, daß es dem Autor womöglich nicht gelingt, dem akademischen Spezialistentum in Sprache, Form oder Aufbereitung der Thematik soweit abzuschwören, daß er eine Leserschaft auch über das Fachpublikum hinaus erreicht. Ludwig Finscher bestätigt beides: Mit seinem Buch entschlackt er das Haydnbild von den zahlreichen unhistorischen Anekdoten, Verzerrungen und Halbwahrheiten, die die Biographik der letzten zwei Jahrhunderte produzierte. Dabei stellt er das Werk des Österreichers in den Mittelpunkt der Betrachtung, und ausführliche Werkbetrachtungen überlagern das biographische Chronistentum. Kenntnisreich und detailliert geht Finscher immer wieder auf einzelne Kompositionen ein, aber jederzeit mit dem Blick auf das Gesamtoeuvre sowie die Bedeutung des Werks innerhalb der allgemeinen musikgeschichtlichen Periodik. Dabei bietet der Autor innerhalb abgeschlossener Kapitel einen chronologischen Überblick zu den einzelnen Werkgruppen. Sicherlich kein "Lesebuch", schon eher ein Haydn-Lexikon mit ausführlichem Verweisapparat am Ende eines jeden Kapitels – unstrittig aber eine epochale Monographie mit längst überfälligen Richtigstellungen zu unserem "Papa Haydn". [art]
Ludwig Finscher: Joseph Haydn und seine Zeit Laaber, geb. 558 Seiten (ISBN 3-921518) |
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