Musik-Enzyklopädie

"Der Rolls Royce unter den Musiklexika"

Nicht jeder kann es sich leisten, und es ist für den Alltagseinsatz nicht immer geeignet; aber dank seiner Zuverlässigkeit, der professionellen Verarbeitung und der bewährten Tradition ist es immer noch ein Traum so manchen Liebhabers: Die Rede ist hier nicht etwa von einem Auto, sondern von dem großen Lexikon "Musik in Geschichte und Gegenwart", das in neuem Gewand und inhaltlich komplett überarbeitet mittlerweile mit den ersten Bänden des Personenteils erschienen ist. Es war ein Meilenstein der Wissenschaftsgeschichte, als sich Friedrich Blume 1949 dazu entschloß, eine "Allgemeine Enzyklopädie der Musik" herauszugeben – ein Vorhaben, das 1968 seinen vorläufigen Abschluß fand (es folgten noch zwei Ergänzungsbände in den 70ern).

Eine verlegerische Großtat
Daß sich der Bärenreiter-Verlag in Zusammenarbeit mit Metzler zu einer kompletten Neuausgabe dieser enzyklopädischen Legende entschlossen hat, ist den Unternehmen gar nicht hoch genug anzurechnen. Und mit dem Heidelberger Professor Ludwig Finscher stellte sich eine renommierte Kapazität jener ungeheuren Herausforderung, das aktuelle Wissen um die Musik in all ihren Dimensionen nochmals zwischen Buchrücken zu bannen. Es darf vermutet werden, daß dies die letzte Papierversion eines solchen Opus magnum im Zeitalter des Electronic Publishing sein wird.

Gut Ding will Weile haben ...
Das neue MGG erscheint in zwei separaten Teilen; der Sachteil ist bereits mit neun Bänden plus Registerband komplett, die biographische Sektion befindet sich mit Band 3 noch in den vorderen Regionen des Alphabets – der Abschluß ist für 2004 angekündigt. Am Ende wird man für seine Geduld auch dadurch belohnt, daß der Aktualitätsgrad höher sein wird als bei der in diesem Jahr vollständig erscheinenden Neuauflage der englischsprachigen Konkurrenzenzyklopädie "The New Grove Dictionary of Music and Musicians".
Wenn rund 2.000 Autoren in knapp 20.000 Artikeln das musikalische Wissen der Welt zusammentragen und dabei auch aktuellere Forschungsfelder wie Musikethnologie, Popmusik und Jazz verstärkt berücksichtigen, wird ein solches Lexikon zur Allzweckwaffe für jede musikalische Klientel. Und sollte der Wissensdurst nach der MGG-Lektüre noch nicht gänzlich gestillt sein, liefern die Artikel mit umfassenden Literaturhinweisen einen Fingerzeig auf ergiebige Einzelpublikationen zum Thema.

Ein Who’s Who der Musikgeschichte
Mit dem Erscheinen der Personalbände wird so manch ältere Komponistenbiographie im heimischen Bücherschrank obsolet. Der Einzeleintrag zu Johannes Brahms enthält - exemplarisch - zunächst einen biographischen Abriß, diesem folgt ein Werkverzeichnis, danach eine Einordnung der Brahmsschen Stilstik, bevor die einzelnen Werkgattungen beschrieben werden; so findet man unter der Zwischenüberschrift "Hoher Anspruch und große Dimension" z.B. eine Passage über dessen Chorwerke mit Orchesterbegleitung. Zum Schluß wird in aller Ausführlichkeit Sekundärliteratur verzeichnet und entsprechend dem Artikeltext kategorisiert; das Ganze umfasst schließlich stattliche 89 Spalten! Von besonderem Interesse sind aber gerade auch die zahllosen Regionalmeister oder Newcomer in der Musikszene, die hier zum Teil erstmals mit ihrem Schaffen dokumentiert sind. Dieses Lexikon ist ein Schlaraffenland für alle, die fragend, forschend oder suchend in den Ozean einer jahrhundertealten Musikkultur abtauchen wollen. Und um auf den Anfang zurückzukommen: Manche Träume sollte man sich einfach erfüllen. [art]


Richard Strauss-Biografie
Haydn-Biografie