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Wenn Ihnen hier CANTATE erstmals eine belletristische Neuerscheinung vorstellt, dann muß es dafür gleich mehrere gute Gründe geben. Der erste und wichtigste: Hier steht die Musik, genauer die Chormusik, im Zentrum des Geschehens, das sich vor der farbigen Kulisse der italienischen Renaissance um 1500 abspielt: Ein junger Niederländer namens Wolf, dessen Leben nach dem Hörerlebnis der "Kardinalsmotette" von Josquin Desprez eine entscheidende Wendung erfährt, wird zum Schüler und Freund des großen Renaissancemeisters. Von ihrer ersten gemeinsamen Station Mailand aus fliehen die beiden vor der Pest nach Parma, ziehen später weiter über Florenz bis nach Rom an die Sixtinische Kapelle, wo Josquin und Wolf als Sänger in den päpstlichen Chor aufgenommen werden. Dem gebürtigen Friesen Theun de Vries gelingt mit seinem bereits 1961 in den Niederlanden erschienenen Roman zweierlei: Er zeichnet ein historisch stimmiges Bild dieser künstlerisch so fruchtbaren Zeit – Wolf begegnet auf seinen Stationen auch Leonardo da Vinci und Michelangelo – ohne dabei lehrmeisterlich zu werden oder den eigentlichen (fiktiven) Handlungsstrang aus den Augen zu verlieren. Seine noch höher zu bewertende Leistung liegt aber in der einzigartigen literarischen Schilderung des Musikerlebnisses an sich; eine Stärke des Autors, die er später mit "Der Kopf von Haydn" (1986) bzw. dem Puccini-Roman "Die Premiere" (1990) bestätigt hat. Unser Fazit: Ein fesselnder Besuch in der Borgiazeit – spannend, anregend und ein Genuß für das geistige Ohr nicht nur für den Musikfreund. [art]
Theun de Vries: “Die Kardinalsmotette”. RomanDittrich Verlag, geb. 364 Seiten (ISBN 3-920862-28-7) |
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