Janácek-Biografie

"Begradigung eines tschechischen Musikdenkmals"

Wer damit beauftragt wird, für die große Enzyklopädie "Musik in Geschichte und Gegenwart" den Janácek-Artikel zu verfassen, muß zu den großen Kapazitäten bezüglich des genialen Tschechen zählen. Für Meinhard Saremba, der seinen publikatorischen Schwerpunkt bisher auf die jüngere englische Musikgeschichte gelegt hat, trifft dies zweifellos zu. Daß die Janáceksche Vita nun erstmals auch in umfassender Form wahrgenommen werden kann, davon zeugen knapp 400 Seiten über eine vielschichtige Künstlerpersönlichkeit, deren Bild lange Zeit wegen ihres nationalistischen Nutzwertes von einem verfälschenden Mythos geprägt wurde. Erst in letzter Zeit gelang es, durch Berücksichtigung der originalen Quellen sowie anhand der Veröffentlichungen diverser Janácek-Briefwechsel und der Memoiren seiner Gattin das verklärte Komponistenbild in ein allzu menschliches Licht zu rücken. Den neuesten Forschungsstand dokumentiert Saremba nicht nur wissenschaftlich untadelig, sondern auch flüssig lesbar, wortgewaltig und sogar unterhaltsam. Natürlich erhält die Chormusik innerhalb der Biographie den ihr gebührenden Platz – und der ist nicht eben klein innerhalb des Gesamtoeuvres vom Schöpfer der "Glagolitischen Messe". Als besonderes Bonbon wartet der Anhang mit nützlichen Dokumenten auf: als Primärquelle Janácek-Interviews aus den Jahren 1906-28 sowie aktuelle Rezeptionsgeschichte in Gesprächen mit den Maestros Rafael Kubelik, Charles Mackerras und Gerd Albrecht. Insgesamt eine konkurrenzlose Publikation mit dem Rang eines Standardwerks der musikhistorischen Biographik. [art]

Meinhard Saremba: Leoš Janácek. Zeit – Leben – Werk – Wirkung
Bärenreiter, geb. 455 Seiten (ISBN 3-7618-1500-X)


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