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Daß die großen Komponistenjubiläen längst nicht mehr unter Ausschluß der Öffentlichkeit in elitären Liebhaberzirkeln begangen werden, sollte rückhaltlos Anlaß zur Freude geben. Dieser gesteigerten Aufmerksamkeit anlässlich des diesjährigen 100. Verdi-Jubiläums haben zahlreiche Verlage mit Buchneuerscheinungen Rechnung getragen. Als kleine Entscheidungshilfe werden hier neun dieser Publikationen in einem Kurzüberblick beleuchtet:
Klein aber fein ... so darf man die preiswerte Anthologie "Über Verdi" charakterisieren, in der originelle wie bedeutsame Äußerungen von Freunden und Gegnern des Italieners zusammengestellt sind; so findet man hier z.B. Brahms’ Reaktion auf die negative Requiem-Rezension Bülows zitiert: "Bülow hat sich unsterblich blamiert, so etwas kann nur ein Genie schreiben." Fazit 1: Diesen Kauf wird man nicht bereuen.
Mit einem modernen Layout, das bereits das optische Vergnügen beim Blättern potenziert, führt der Kölner Musikwissenschaftler Johannes Jansen straff durch die Verdische (Opern-)Vita, angereichert mit an die Seitenenden ausgelagerten Briefausschnitten sowie zahlreichen Abbildungen, die allerdings auf Kosten der textlichen Ausführlichkeit gehen. Fazit 2: Ein attraktives Lese-Bilderbuch für den Verdi-Neuling.
In der schon legendären Monographien-Serie von rororo hat die Biographie von Barbara Meier die Vorgängerpublikation von 1961 abgelöst. Die Autorin verzichtet auf ausführliche Operninhaltsangaben zugunsten der flüssigen und einfühlsamen Schilderung eines Komponistenlebens in politisch wie künstlerisch bewegter Zeit, gestattet sich aber hin und wieder eine interpretatorisch-analysierende Erstversorgung des Lesers hinsichtlich der Werke. Fazit 3: Ein Buch für Schreib- und Nachttisch mit Qualitätssiegel.
Daß mit Christoph Schwandt kein musikwissenschaftlicher Purist, sondern ein Mann des öffentlichen Musiklebens zur Feder gegriffen hat, merkt man von der ersten Seite an. Mit ihren 30 Kapiteln wirkt diese Lebensbeschreibung auf den ersten Blick etwas zerfasert; dafür erweist sie sich aber als wahre Fundgrube in Sachen Anekdoten bzw. der Schilderung außergewöhnlicher Begebenheiten, die von hohem Unterhaltungswert sind. Fazit 4: Eine gut recherchierte Lektüre für all jene, denen Lesevergnügen und Informationsdichte gleich wichtig sind!
Das biographische Standardwerk von Julian Budden aus dem Jahre 1987 wurde zum Jubiläum durch den Autor unter Berücksichtigung neuester Forschungsergebnisse ergänzt bzw. korrigiert. Auch im aktuellen Vergleich behauptet diese wissenschaftlich fundierte Publikation ihren Ruf als Pfeiler der Verdi-Biographik; allein die Papierwahl bzw. Drucktechnik lassen zu wünschen übrig, was der günstige Preis jedoch wettmacht. Fazit 5: Nicht nur, aber vor allem für den musikalisch Vorgebildeten ein Pflichtprogramm.
Eine besonders empfehlenswerte Lektüre ist das Buch von Alfred Marquart, dem es gelingt, spannend und hochinformativ diese Musikerkarriere vor dem Auge des Lesers erstehen zu lassen, ohne belehrend zu wirken. Kapitelüberschriften wie "Musik mit Helm", "Der Mond über dem Nil" oder "Alles auf Erden ist nur Spaß" weisen den Autor als großen Fabulierer aus, der jedoch jederzeit der Gefahr entgeht, in einen pseudobiographischen Roman zu verfallen. Fazit 6: Ein großes Lesevergnügen mit höchstem Nährwert.
Ebenfalls gänzlich ohne Fußnoten, Zeittafeln und Bibliographien kommt Veronika Beci in ihrer Publikation aus. Auf diese Weise entrückt sie den Leser schon nach wenigen Zeilen in jene einzigartige Atmosphäre im Italien des Risorgimento, die so manches Ereignis in Verdis Leben überhaupt erst erklärbar macht. Fazit 7: Dieses sehr subjektive, doch stets faktisch untermauerte Lebensbild Verdis ist insbesondere psychologischen Beweggründen auf der Spur ... und wäre fast ein Roman geworden.
Auch der Laaber-Verlag präsentiert in seiner hochdekorierten Reihe "Komponisten und ihre Zeit" eine neue Publikation von Markus Engelhardt zum italienischen König der Oper, die sich in einer Sammlung von 16 Beiträgen verschiedener Kapazitäten dem Phänomen Verdi als Mann des Musiktheaters annähert. Ein biographisches Gesamtbild bietet dieses Buch nicht, dafür aber wichtige Erkenntnisse zum musikalischen Umfeld, in dem ein solches Jahrhunderttalent erst gedeihen konnte. Fazit 8: Fachbeiträge für Opernfreaks und Musikwissenschaftler, die neue Blickwinkel eröffnen.
Seit Januar 2001 ist in der Verdi-Literatur ein neues Zeitalter angebrochen: Mit dem "Verdi-Handbuch" ist nun die ultimative Enzyklopädie zum Italiener erhältlich. Freilich – allein schon wegen des Gewichts – keine Lektüre für zwischendurch und unterwegs, dafür vielschichtig und überbordend vor Information: Jede Komposition ist in aller Ausführlichkeit dargestellt und kommentiert; so gesehen lohnt sich allein schon diese Anschaffung anstelle von 26 einzelnen Opernführern. Desweiteren liest man aber auch über Stimmtypen und Rollencharaktere, das Frauenbild in Verdis Opern, Sänger und Dirigenten, die Entwicklung des Mythos etc. Und das Glossar mit Aufschlüsselung der z.T. verwirrenden italienischen Musikterminologie erweist sich auch in anderen Zusammenhängen als höchst brauchbar. Fazit 9: Eine sicherere Geldanlage gibt es nicht; von der „geistigen Rendite“ werden auch noch Ihre Erben zehren. [art] |
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Günter Engler (Hrsg.)
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Über Verdi
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Reclam, kart. 151 Seiten (ISBN 3-15-018090-2)
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Barbara Meier
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Giuseppe Verdi
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rororo, kart. 160 Seiten (ISBN 3-499-50593-2)
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Johannes Jansen
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Giuseppe Verdi
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dtv, kart. 159 Seiten (ISBN 3-423-31042-1)
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Christoph Schwandt
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Verdi. Eine Biographie
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Insel, kart. 303 Seiten (ISBN 3-458-34396-2)
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Julian Budden
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Verdi. Leben und Werk
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Reclam, kart. 408 Seiten (ISBN 3-15-010469-6) [revidierte Neuauflage von 1987]
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Alfred Marquart
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"Flieg, Gedanke ..." – G. Verdi, sein Leben, sein Schaffen, seine Zeit
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Parthas, geb. 295 Seiten (ISBN 3-932529-84-7)
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Veronica Beci
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Verdi. Ein Komponistenleben
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Artemis & Winkler, geb. 450 Seiten (ISBN 3-538-07111-x)
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Markus Engelhardt (Hrsg.)
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Verdi und seine Zeit
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Laaber, geb. 320 Seiten (ISBN 3-89007182-1)
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A. Gerhard & U. Schweikert (Hrsg.)
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Verdi-Handbuch
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Metzler/Bärenreiter, geb. 746 Seiten (ISBN 3-476-01768-0)
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