A.M. Grétry: "Richard Coeur de Lion"

Komponist: André Modeste Grétry (1741-1813)
Werk: "Richard Coeur de Lion". Comédie in 3 Akten (& "Le Devin du village" von Jean-Jacques Rousseau)
Interpreten: SM. Mesplé, Ch. Burles, D. Perriers, M. Trempont, J. Sternotte, M. Bost, J. Bastin, J. van Gorp; Choers de l'I.M.E.P.; Orchestre de chambre de la RTB
Leitung: Edgard Doneux
Label: EMI (5 75266 2)
Aufnahmedatum: 1977 & 1956 (VÖ: 2002)
Aufnahmequalität: ADD
Gesamtspielzeit: 79:23 & 54:11 min. (2 CDs)



Editorische Tat ritterlichen Ausmaßes

[Alexander Reischert] In Zeiten sinkender Verkaufszahlen bedarf es schon einigen Muts, um Werke ans Ohr der Öffentlichkeit zu bringen, die bislang vornehmlich dem Fachmann untergekommen sein werden. Dazu zählt auch die gerade wieder erschienene EMI-Produktion des Jahres 1977 von Grétrys dreiaktiger Comédie "Richard Coeur de Lion" (als preisgünstige Doppel-CD gemeinsam mit Jean-Jacques Rousseaus "Le Devin du village" veröffentlicht). Damit leistet das Label nicht nur einen unverzichtbaren Beitrag zur audiophilen Wiederbelebung eines Marksteins der Opéra comique, sondern ermöglicht auch die Wiederbegegnung mit der französischen Sopranistin Mady Mesplé – die übrigens 1956 ihr Operndebüt auch mit einer Grétry-Oper gab – sowie dem Tenor Charles Burles und dem Bariton Michel Trempont in jüngeren Jahren.
Die Erfolgsgeschichte des Werks seit seiner Uraufführung im Jahre 1784 war beachtlich und reichte während der folgenden Jahrzehnte quer durch Europa bis hinüber nach Amerika. Was nicht verwundert, hat der Franzose hier doch einige regelrechte Ohrwürmer zu Papier gebracht wie z.B. die Laurette-Arie "Je crains de lui", die Rachearie des Blondel "O Richard, oh mon roi" oder den eindrucksvollen Chor "Que Richard à l’instant".
Für die musikalische Sujet-Geschichte rund um diesen englischen König, der auf seiner Rückreise vom 3. Kreuzzug 1192 gefangen genommen und erst nach Zahlung eines hohen Lösegeldes freigelassen wurde, bevor er bei der Ankunft in England seinen Bruder auf dem Thron vorfand, stellt Grétrys Werk (neben der vergessenen Comédie lyrique „Rosalie“ von Henri-Joseph Rigel, Paris 1780) einen gattungsmäßig einzigartigen Beitrag dar, der bereits in den frühen 1780er Jahren das reiche musikdramatische Potenzial dieses historischen Stoffs gekonnt nutzte.


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